Ich erkläre die Gartensaison für eröffnet!

Der Kronsohn hat von Jahr zu Jahr genauere Vorstellungen davon, was im Garten wachsen soll. Die Radieschen hat er nur eingesät, um mir eine Freude zu machen. Den Zuckererbsen haben wir gemeinsam Rankhilfen gebaut, bevor er sich hingesetzt und jede einzelne Erbse in den Boden gedrückt hat. Die Ringelblumen möchte er erst kennenlernen, wenn Oma Ringelblumesalbe draus gemacht hat. Aber die Kräuter, insbesondere der Schnittlauch, gehören ihm allein. Für die erste Kräuterbutter 2017 hat er aber ein paar abgegeben: Seine Kresse vom Fensterbrett, besagten Schnittlauch, Bärlauch, Pimpinelle und Sauerampfer. Außerdem hat das liebe Kind jetzt eine Art Hochbeet, in dem Basilikum, Schnittlauch, Petersilie und Dill wachsen sollen. Vorbildlich ausgeschildert sogar. Ich weiß ja, wessen Mutter es gießen wird.

Ich bin zwei Eichhörnchen.

Leider nicht in Sachen Beweglichkeit. Also saß ich oben drauf auf’m Baum, sah runter und überlegte, wie hoch das wohl so ist. Ich wette, Eichhörnchen denken nie über sowas nach. Jedenfalls ist der Apfelbaum jetzt geschnitten. Vielleicht schaffe ich das irgendwann mal wie alle anderen Menschen im Herbst. 

Mehrgenerationengärtnern.

Im Garten meiner Mutter habe ich eine kluge Lösung für die Himbeeren gesehen und mir zum Geburtstag das gleiche gewünscht. Geburtstag ist lange vorbei, aber meine Himbeeren haben jetzt ein Klettergerüst. Mit Metallhülsen, die im Boden stecken. Mit Holz, das deshalb nicht im Boden steckt und hoffentlich lange hält. Mit drei Querstreben zum Dran-entlang-Wachsen und einer Decke aus Mulch. Wir haben zu dritt gemütlich im Garten gewerkelt, Pflanzen getauscht (“Brauchst die Eibe da noch?” – “Ach, der Tannenbaum is’ne Eibe? Nimm’ mit, das olle Ding!”), einen Weg angelegt und Nachbars Krokusteppich bestaunt. Ungefähr so stelle ich mir Weltfrieden vor.

Alle raus!

Die Schneeglöckchen blühen nicht nur in meinem Garten, sie stehen büschelweise überall auf dem Hof herum, zwischen Winterlingen und Krokussen, mitten auf der Wiese. Gartennachbar Jens hat sogleich das Gartengerät entstaubt und mal fix ein bisschen geharkt. Nicht, dass es nötig war. Eher aus Bedürfnis nach einer Draußentätigkeit. Das hat mir so gute Laune gemacht, dass ich schnell den Balkon bepflanzt und sogar aufgeräumt habe. Soviel Zeit habe ich vermutlich den Rest des Jahres nicht mehr.

Für Montage.

Wenn es draußen friert und die Bäume keine Blätter haben, alles doof, grau, häßlich und dann auch noch Montag ist, gehe ich in den Hof und kucke zu, wie die Eichhörner an den Baumstämmen hoch und runter flitzen. Danach geht es meistens wieder.

Den Rhabarber ausschildern

Der Rhabarber hat die Angewohnheit, sich über den Winter komplett in die Erde zurückzuziehen. Wer wie ich einen kleinen Garten hat, in dem alles kreuz und quer durcheinander steht, läuft Gefahr, ihn im Frühjahr versehentlich mit der Hacke zu erwischen. (So habe ich seinerzeit meinen Rhabarber in den Pflanzenbeständen meiner Gartenvorgängerin gefunden: Beim Umgraben, und es ist Zufall, dass er überlebt hat.) Deshalb habe ich mir vom Kronsohn, der gerade begeistert töpfern geht, ein Schild gewünscht. Für Kräuter, die die ganze Zeit zu sehen sind, gibt es sowas ja. Überraschender Weise hat er sich das gemerkt, und heute kam er ganz stolz damit rum. Das war wie Weihnachten. Bloß viel schöner!

Vogelfrühstück.

Die Stunde der Wintervögel habe ich verpasst. Erst war es noch zu dunkel, dann war ich rodeln, dann war es schon zu dunkel. Dafür stelle ich den Piepmätzen jeden Tag Frühstück hin. Ist ja auch was.

Alles raus, was Flieder ist!

Ich hadere mit dem Flieder, seit ich den Garten habe. Immer war er im Weg, ich habe mir den Kopf dran gestoßen, bin mit Ärmeln hängen geblieben und kam mit dem Rasenmäher nicht drum herum. Er war aber auch die Stelle im Garten, an der der Kronsohn im Stehen zu pinkeln gelernt hat, wo man schnell mal die Harke abgestellt hat oder wo die Gartentonne hing. Jetzt ist der Flieder weg. Ausgegraben. Abgesägt. Jetzt kann des Kronsohns kleiner Kirschbaum groß werden, und ich wäre bereit für eine Hollywoodschaukel.

Gartenlogbuch Oktober.

Einmal kurz nicht da gewesen, schon ist der Garten, den ich grün verlassen habe, an allen möglichen Stellen gelb, orange, pink und braun geworden. Außer die Kugeldistel, die hat sich schnell noch ein paar neue, stachelige Blätter wachsen lassen. Und wann mir dieser Brokkoli gewachsen ist, weiß ich auch nicht. Ich kann mich nicht einmal erinnern, Brokkoli gepflanzt zu haben.

Die Abwesenheit von Gärten.

Ich wohne ungern in Hotels, wenn ich länger bleibe. Selbst wenn ich kürzer bleibe – mir sind Ferienwohnungen lieber. Dadurch sehe ich mehr Küchen als Speisesäle, habe aber immer vernünftigen Kaffee und jederzeit einen guten Grund für die Pfeffermühle in meinem Handgepäck. Vor allem aber laufe ich eher über Höfe als durch Parks und finde das sehr lehrreich. In Heringsdorf habe ich lange überlegt, was hier so anders aussieht als gewohnt. Meer, na klar. Dünengras. Haben wir zuhause nicht. Strandpromenade. Sehr schön. Weil hier aber jeder Quadratzentimeter touristisch genutzt wird, ist kein Platz für Omagärten, in denen Essen wächst, und dazwischen Bartnelken, mit Buchs eingefasst. Vor oder hinter dem Haus. Gärten von sinnloser Schönheit, die einfach nur da sind. Wenn es groß genug für einen anständigen Omagarten ist, passt halt auch ein Haus drauf. Der Vorteil dabei ist allerdings das vollständige Fehlen von Gartenzwergen.