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Friedliche Landgewinnung

Ich habe umgegraben. So weit, so unbesonders. Ich habe gegraben, wo vorher Rasen war. Meine Nachbarn finden mich komisch. “Schöner, pflegeleichter Rasen. Davon kannste doch nie genug haben!” Doch, ich hatte genug von dem Rasen, der ständig gemäht werden wollte, andernfalls auch kein bißchen schön aussah. Ich habe nämlich Rosenkohl entdeckt. Im Supermarkt schon vor langer Zeit, im Garten aber erst in diesem Sommer. Wo Rosenkohl wächst, wächst absolut nichts anderes. Nicht mal Giersch. Rosenkohl sieht hübsch aus, schmeckt prima und braucht Platz. Den hat er jetzt. Für’s nächste Gartenjahr.

Stadtleben (1)

Die Mülltrennung verläuft wieder in geordneten Bahnen. Alle Container stehen im Hof und nicht an nur den Einheimischen bekannten Plätzen des Dorfes. Es gibt nicht den einen Tag in der Woche, an dem gelbe Säcke die Einfahrten aller bewohnten Häuser dekorieren. Mir fehlt nur mein Misthaufen. Nur noch selten brauche ich Schraubgläser und Latschen. Dafür habe ich endlich wieder Verwendung für Tüllröcke.

Dorfleben (13)

Ich erinnere mich an alle Brombeergestrüppe, in denen ich mir rote Striemen und schwarze Brombeeren geholt habe. 

An der Rückseite von Uromas Garage und Bauers Plumpsklo mit Blick auf ihren Rübenacker war das schönste. Der Bauer war mein Uropa und hatte auch einen richtigen Namen. Der wurde nur nie verwendet, es hieß: Wir fahren zu Uroma und Bauer. Nicht etwa “dem Bauern”, sondern “Bauer”, weil das seinen Namen vollständig ersetzt hatte, und dass, obwohl er eigentlich mal Böttcher gelernt hat. Ihr schönstes aller Brombeergesträuche kam mir abhanden, als das Haus verkauft wurde. Samt Plumpsklo, Garage und Kreuzspinnen. Ich bin kein einziges Mal nachsehen gegangen, ob es noch da ist – es würde mir so oder so das Herz brechen.

Das zweitschönste Brombeergestrüpp wucherte am Rand eines Zeltplatzes am Oderhaff. Jeden zweiten Sommer waren wir dort. Hier wurde mir mal am Strand das Handtuch geklaut. Wir wohnten in einem ehemaligen Bauwagen, der einen sehr komfortablen Wohnwagen abgab, wenn man sich ein bisschen anstrengte. Ich schlief im Doppelstockbett oben und aß so viele Brombeeren wie ich konnte, bevor ich den anderen welche mitbrachte. Weil sehr viele Kinder auf dem Zeltplatz waren, die auch alle Brombeeren pflücken wollten, erwarb ich eine gewisse Furchtlosigkeit vor Dornen. Ich ging dahin, wo es weh tat. Den Zeltplatz habe ich nach der Wende nie wieder gesehen. Überhaupt habe ich Zeltplätze später gemieden.

Es gab und gibt noch immer ein hervorragendes Brombeergestrüpp an unserem Badesee zuhause. Ich habe ganze Sommer an diesem See verbracht, und nicht nur die Tage. Mein Handtuch lag immer in der Nähe der Brombeeren und wurde dort nie geklaut. Ich hatte dieses Brombeergestrüpp ein bisschen aus den Augen verloren, aber dieses Jahr hat es mir Fäden in die Jeans gezogen. Es gehört zu denen, die sich immer weiter ausgebreitet haben. Ich habe dort fast keine Erntekonkurrenten mehr. Die Hälfte meiner diesjährigen Brombeermarmeladen stammt von dort – gekocht auf dem Campingkocher meiner Mutter in ihrem Bungalow. 

Andere Brombeerhecken fallen mir ein, die ich aber viel weniger als meine betrachtet habe. Teilen musste ich die auf unserem Hof, vom anderen Uropa gepflanzt. Ich teile ungern Essen. Eine weitere lag auf dem Weg zu meiner Schulfreundin, ich bin meist nur daran vorbei gefahren.

Aber in den letzten Jahren habe ich wieder zwei wunderbare Brombeerstellen entdeckt, und auch noch beide im selben Dorf! Ich muss jetzt wahrscheinlich hier zu wohnen kommen, damit sie mir nicht wieder verloren gehen.

Dorfleben (12)

An den heilen Stellen sieht das Dorf wie bei Petterson und Findus aus. Besonders dann, wenn die dicke rote Katze hinten am Zaun zwischen Werkzeugschuppen, Gemüsebeet und Holzkiste sitzt, unbeweglich wie ein Tontopf. Aber an den heilen Stellen hat Berlin auch Altbauten. 

Dorfleben (11)

Bei Gewitter ziehen wir alle Stecker raus. Das Telefon hat kein Netz mehr. Zwischen zwei Wetterleuchten schläft das kleine Kind ein. Donner und Regen beunruhigen es nicht. “Mama, bist du noch da?”, fragt es hingegen mit seiner allerkleinsten Mäusestimme, als die Nacht wieder ruhig, klar und dunkel ist. 

Pflaumenkuchen

1 Springform 

550-600g Pflaumen, entsteint & halbiert

150g Zucker

150g Butter

3 Eigelb

300g Mehl

Zimt, Vanille

1) Butter und Zucker zusammen schmelzen, etwas abkühlen lassen 

2) Eigelbe und Mehl verrühren, Vanille (-zucker oder Schote) dazu, Butter-Zucker-Mischung dazu, alles zu einem Teig verkneten 

3) Springform fetten & 3/4 des Teiges in die Springform

4) Pflaumenhälften vom Rand aus nach innen Reihe für Reihe hochkant auf den Teig stellen (hochkant passen mehr drauf)

5) Zimt drüberstreuen, wenn ihr Zimt mögt

6) restlichen Teig drüberkrümeln

7) bei 180 Grad ca. 45 min backen (Ober- und Unterhitze)

Dorfleben (10)

Sommer am See. Wir leben aus dem Picknickkorb, schwimmen und trocknen wieder. Ich sehe einer Libelle zu, die sich auf einem Blatt treiben lässt, als wäre es ein Boot. Däumelinchen kommt mir gerade wie eine sehr plausible Geschichte vor. Vielleicht war ich zu lange in der Sonne.

Dorfleben (8)

Den alten Mann, der das große Gehöft an der Ecke bewirtschaftet, habe ich noch nie anders als in Arbeitshose gesehen. Die Hose muss ihre Farbe schon vor langer Zeit aufgegeben und einfach die der Landschaft angenommen haben. Verregnetes Graublau mit Straßenstaub. Der Hund des alten Mannes, Schlamm und Weizen, sieht wie ein Feldweg aus.

Die Familie, die eins der Grundstücke gekauft hat, die vorher Felder waren, schlendert in tadellos sauberen Jacken an den Pflaumenbäumen vorbei. Wie vorsichtig sie das Obst von den Bäumen pflücken, kosten und dann überlegen, wohin mit den Kernen. Der dampfende Acker ist ihren Schuhen noch nicht zu nahe gekommen. Nächsten Sommer sehen sie entweder aus wie der Hund, oder der Hof ist gepflastert.

Dorfleben (7)

Feiner Sprühregen, und kein einziger Spatz auf dem Spatzenbaum. Ein Tag zum Kuchenbacken und Chutneykochen. In der Stadt fällt mir Wetter kaum auf. Von der U-Bahn sehen alle Wetter gleich aus.