Das ist ein Liebesbrief.

Mein Lieblingscomicladen ist mein Lieblingscomicladen, seit ich in Berlin wohne. Das ist ziemlich lange. Länger als ich verheiratet bin. Vorher hatte ich einfach keinen Comicladen. Vorher kannte ich fast gar keine Comics außer den Abrafaxen. Auf den Dörfern gibt’s nicht so viel.

Mein erstes Lilian-Mousli-Heft, Stray Cats, habe ich im Groben Unfug in Kreuzberg gekauft. Beides, weil Johnny Häusler im Radio davon erzählt hatte. Radio gab’s auch bei mir auf’m Dorf. Grober Unfug war ein Ladenname, der mir so gut gefiel, dass ich ihn jahrelang als Korrekturbemerkung an den Rand von Klausuren schrieb. Von Lilian Mousli hatte ich noch nie etwas gehört. Die wollte ich sehen, und die gefällt mir heute noch. David Macks Kabuki hat mir gezeigt, was Comiczeichnen bedeuten kann. Kreide, Holzschnitt, Aquarell – er hat keine Arbeitstechnik unversucht gelassen. Fil, Didi & Stulle mit dem lustigsten Dialog, den ich je las: Harley Davidson. An Katz & Goldt zweifelt ohnehin niemand. Mawil, Uli Lust, Tim Dinter, Reinhard Kleist, Guy Delisle, Atak. Der Grobe Unfug hat eine Tür aufgemacht, und ich bin einfach durch gegangen. Ach, dachte ich neulich, als ich Flix’ Faust gelesen habe, das darf man mit Literatur machen? Das ist großartig, warum wird das nicht in Schulen unterrichtet? Womöglich läsen es die Kinder mit Vergnügen.

Der Laden in Mitte ist umgezogen, ich war ewig nicht dort. Bis vor drei Tagen. Um ein Geschenk zu kaufen für ein Kind, das nicht den Umweg über die Disney-Müllkippe nehmen soll. Mein erster Blick fiel auf ein Buch von Atak. Ein Gartenbuch! Ey, Grober Unfug, dachte ich, lass uns zusammen alt werden!

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