Icke, 16.

Ich war leider schon zu cool für Roxette. Nur zwei Jahre wahrscheinlich. Ich bedaure das sehr, denn es ist solide vorgetragene, hochanständige Popmusik. Und sogar aus Schweden! Das würde ich von den Stock-Aitken-Waterman-Produktionen, die meine Popmusik bestimmten, so nicht sagen. Die waren ja noch nicht mal aus Schweden. Ich fand zu der Zeit, als die anderen Roxette gehört haben, lieber langhaarige Männer gut. Mein Freund spielte Schlagzeug und Saxophon. Weil er wirklich, wirklich cool war: Sopran-Saxophon. Nicht so eins wie das, mit dem Candy Dulfer so megalässig aussah. Nee. So´n kleines. Als Gitarre wär´s eine Ukulele gewesen. Und eben Schlagzeug. Ich brauchte den Lärm. Der Soundtrack zum Genervtsein, wenn du 16 bist. Statt Anschreien. Bißchen Bombast, bißchen Kitsch und harte Männer mit soften Schnulzen. Einen eigenen Musikgeschmack habe ich mir erst später geleistet. Und da kam dann zum Glück Kurt Cobain.

Achso: Hat nur 60min. Ist ne Ostkassette. Die schwarze mit dem gelben Aufkleber, die so komisch gerochen hat. Der Recorder hieß Anett, der Sound war entsetzlich.

A

Queen: I’m Going Slightly Mad – 4:22
Der Tod von Freddie Mercury war vor allem deshalb so unfassbar, weil Superhelden einfach nicht sterben.

Eurythmics – Love Is a Stranger – 3:40
Das ist natürlich älter, aber durch die Greatest Hits 1991 wieder ins Kassettendeck gefallen. Frauen mit Krawatte kann man nicht nicht lieben. Ich jedenfalls nicht.

Metallica – The Unforgiven – 6:27
Mit dem schwarzen Metallica-Album habe ich Master of Puppets eigentlich erst entdeckt. Dafür danke ich dem schwarzen Metallica-Album.

Guns N Roses – You ain´t the first – 2:36
Hier, Slash. So wär ich als Typ gewesen. Wo die Kippe ist, ist vorne.

Van Halen – Top of the World – 3:54
Mein Papa hat mir eine Van-Halen-Kassette geschenkt, als ich ungefähr 10 war und Modern Talking gut fand. Heute kann ich ihn gut verstehen.

Marillion – Splintering Heart – 06:54
Ich hab Bombast gesagt. Also nicht Fish, sondern Steve Hogarth. Geht heute nicht mehr, musst du 16 für sein. Und selbst dann …

The Pogues – Dirty old town 2:53
Das ist möglicherweise mein Lieblingslied. Also: Für immer. Es war schon immer da und geht immer mit. Ich kann´s sogar pfeifen. Aber meistens muss ich dann lachen.

B

Neil Young – Sugar Mountain – 4:59
Ich weiß, ich weiß. Falsche Zeit. Wir haben das selbst gespielt, 1991. Jammer-Neil. Große Liebe. Ich weiß seitdem, dass ich eine entsetzliche Sängerin bin, aber überhaupt gar nicht Gitarre spielen kann. Das war sehr traurig.

Nirvana – Smells like Teen Spirit – 5:01
Meilenstein der Musikgeschichte. Wenigstens meiner.

Extreme – More than Words – 5:40
Nuno Bettencourt sah aus wie ein Indianer. Nee, er sah aus wie wir uns einen Indianer vorgestellt haben. Wir wussten ja nicht, dass es Native American heißt und Pierre Brice nur ein Schauspieler war. Meine beste Freundin zog nach Texas, und das hatten wir dann davon: Extreme.

AC/DC – The Razors Edge – 4:22
Mein erstes Konzert überhaupt, aber erst 1996 in der Deutschlandhalle. The Razors Edge war das 1990er Album. Geht immer noch runter wie´n kaltes Berliner vom Fass.

Aerosmith & Run DMC – Walk this way – 4:03
Schon damals alt, und das sogar doppelt. Das habe ich auch zu allen Zeiten geliebt, und die Schuhe trage ich bin heute so. Wenn ich das Video sehe, denke ich jedesmal: Wenn Koksen so´ne Bauchmuskeln macht, weiß ich nicht, was diese Ananas-Diät in der Brigitte da bewirken soll.

Steve Vai – For the Love of God – 6:02
Geschummelt, weil schon aus dem Vorjahr. Bin ich lange mit rumgelaufen, wäre 91 auch noch auf jeder Kassette gewesen.

Was ich 1991 noch nicht wusste war, dass ich Kim Deal und Pixies entdecken würde. Das dauerte noch gut sechs Jahre. Trompe le Monde ist aber tatsächlich auch von 1991. Auf einem heute angefertigten 91er Mixtape wäre die eine Hälfte nur Pixies, die andere … na, auch. Alec Eiffel jedenfalls. Hidden Bonustrack. Nur im Internet.

5 Gedanken zu „Icke, 16.

  1. Pingback: Mixtape mit 16 | Teilzeitblog der Teilzeitborussin

  2. steffi

    Mit Roxette war man zu allen Zeiten irgendwie anschlussfähig, und das mochte ich. Die taten auch nie so weh wie Samantha Fox, Kylie Minogue, Rick Astley oder Jason Donovan.

    Antworten
  3. Pingback: Mixtape mit 16: Seien Sie tapfer! | Ansichten aus dem Millionendorf

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