#12

Die Kinder schütteln den Mirabellenbaum. Es regnet gelbe Mirabellen. Die Kinder kreischen übermütig und schütteln gleich nochmal. Schön aufsammeln alle, sagt die Oma. Fertig ist das Kompott, und reichlich davon. Das Dorf ist einfach und logisch und ohne viel Vertun. Ganz genau so kühlt es auch sein Bier, kastenweise in fließendem Gewässer. Auch Kompott.

#10

Das Dorf hat eine Feldsteinkirche. Die steht da seit über 700 Jahren. Sie hat sich nur wenig verändert, weil das Dorf immer zu abgelegen, zu unbedeutend, zu arm war. Weder Prunk noch Zerstörung haben es erreicht. Die Kirche trägt immer noch ihr mittelalterliches Dach. Und doch ist offenbar Leben unter diesem Dach. In der ersten Reihe des Kirchengestühls liegen Sitzkissen. Sie scheinen verschiedenen Zeiten zu entstammen. Keines passt zum anderen. Als gingen die Menschen seit Generationen hier zur Kirche und hinterließen je ein Kissen als Stempel ihrer Zeit.

#7

Mein Urgroßvater war Bauer und pflegte auf dem Heuboden Mittagsruhe zu halten. Wir saßen gerne in der Heuraufe seines Pferdes oder auf der mit Heu beladenen Kutsche ganz oben. Das Pferd hieß Lotte. Die Sommerferien waren acht Wochen lang. Daran denke ich, wenn ich Heuballen rieche.

#3

Das kleine Kind beginnt den Tag mit einer Arschbombe. Honigstullen zum Frühstück. In der Sonne dösende Ringelnatter mit Natternkind, aber das spielt im Wasser zwischen den unterspülten Baumwurzeln. Den ganzen Tag keine trockenen Haare. Ein aufschlagenes Knie, Eis beim Fährmann und abends eine goldgelbe Zuccini von Nachbars. Das Dorf ernährt uns.