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Ich möchte ein Eichhorn sein.

Nachdem ich für den Podcast vorgelesen hatte, wie man Obstbäume schneidet, dachte ich: Gut, hab ich verstanden. Wo ist meine Säge? Das passiert mir oft. Dass etwas wissen und etwas können verschiedene Dinge sind, merke ich immer erst, wenn ich Äste sägend oben im Apfelbaum sitze und nicht weiß, wie ich wieder herunter kommen soll. Nichtsdestotrotz fand Nachbar Jens, man könne jetzt einen Hut durch die Krone werfen, und das sei genau richtig. Nachbar Horst meinte, jetzt sei endlich genug Licht in dem Baum. So, wie es sein soll. Alle Wasserschossen sind raus. Alles, was nach innen wächst, ist ab. Alles, was abgeknickt und morsch war, habe ich abgeschnitten. Das hat so ungefähr den ganzen Tag gedauert, mir tun die Schultern und die Arme weh. Ganz gegen meine eigenen Erwartungen bin ich aber doch wieder von dem Baum herunter gekommen. Nicht, ohne meine Säge oben liegen zu lassen …

GR 016 – Mein Obstgarten (Einleitung)

Die Einleitung ist ähnlich der des Gemüsegartenbuches eher erzählerisch denn eine Gebrauchsanleitung für den Garten. Die Lektüre lohnt aus historischen Gründen. Wir finden hier ein sehr anschauliches Beispiel dafür, dass wir noch immer die gleichen Dinge tun, aber unser Verständnis der Dinge, die uns umgeben, ein anderes ist. Nebelthau beginnt mit der Geschichte des Kulturapfels. Dessen Heimat ist, wie heute angenommen wird, Asien. Seine Verbreitung verlief sehr wahrscheinlich über Handelswege. Umstritten ist, ob er auf Kreuzungen des Holzapfels, des Asiatischen Wildapfels oder des Kaukasusapfels mit anderen Sorten zurück geht. Die Kaukasusgeschichte, die Otto Nebelthau erzählt, ist aber jedenfalls sehr hübsch und nicht ganz falsch. Zutreffend ist auch, dass die Vermehrung von Apfelbäumen anders funktioniert als der Laie annimmt. Den Vorgang der Gehölzveredlung als "Wunsch nach immer höherer Vollkommenheit" zu beschreiben, dem "nie mehr eine Grenze gesetzt sei" - damit wären wir etwas zurückhaltender. Auch mit der Symbolkraft des Apfelbaumes arbeiten wir inzwischen sparsamer. Die biblischen Bilder können wir zwar noch verstehen, an ihre Stelle sind aber heute eher naturwissenschaftliche Aspekte getreten. Das letzte Bild, das Nebelthau zeichnet, ist wiederum überraschend. Er vergleicht das Leben eines Apfelbaumes mit dem eines Menschen. Aber macht euch keine Sorgen, weder wir noch unsere Apfelbäume sterben mit sechzig. Hundert Jahre sind drin. Mindestens!

Shownotes:

Das Wichtigste über Kulturäpfel, etwas weniger romanhaft zusammengefasst in der Wikipedia – Die ursprünglichen Sorten: Kaukasusapfel, Holzapfel, Asiatischer WildapfelDer Apfel als Symbol (Rechengeräte werden ausnahmsweise nicht berücksichtigt) – Über das Veredeln von Obstbäumen

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