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#3

Das kleine Kind beginnt den Tag mit einer Arschbombe. Honigstullen zum Frühstück. In der Sonne dösende Ringelnatter mit Natternkind, aber das spielt im Wasser zwischen den unterspülten Baumwurzeln. Den ganzen Tag keine trockenen Haare. Ein aufschlagenes Knie, Eis beim Fährmann und abends eine goldgelbe Zuccini von Nachbars. Das Dorf ernährt uns.

#2

Mit dem Kajak durch den Bauch der Mühle. Am Mühlenfließ mein Traumhaus gefunden: Ein himmelblauer Bauwagen. Über die Kanäle von See zu See, durch die Stadt und drum herum. Ein Hund als Gallionsfigur auf einem Standup-Paddelbrett. Davor kreuzt eine Entenfamilie die schmale Durchfahrt. Entenfamilienmanöver, als der Hund ihnen nachsetzt. Mutter Ente flattert auf den Hund zu, die Küken verschwinden im Schilf. Als sie in Sicherheit sind, dreht Mutter Ente ab. Ich sehe den Hund "hä?" denken. Dann schwimmt er zum Ufer und schüttelt sich. Auf das Brett möchte er nicht mehr. Seine Menschen müssen jetzt wahrscheinlich dort übernachten. Lychen auf dem Landweg macht nichts her, Lychen vom Wasser aus ist eine Schöne, die was von Unterhaltung versteht.

#1

Jeden Tag ein Polaroid. Ich habe nicht soviele dabei, ich muss mich entscheiden. Das doofe ist, dass man immer erst hinterher weiß, was das größte, schönste, beste am Tag war. Heute hätten es auch Heidelbeeren sein können, selbst gefunden. Oder Pfifferlinge, geschenkt bekommen. Oder eine Runde weiter im DFB-Pokal, niemand hatte mehr damit gerechnet.

Die Abwesenheit von Gärten.

Ich wohne ungern in Hotels, wenn ich länger bleibe. Selbst wenn ich kürzer bleibe – mir sind Ferienwohnungen lieber. Dadurch sehe ich mehr Küchen als Speisesäle, habe aber immer vernünftigen Kaffee und jederzeit einen guten Grund für die Pfeffermühle in meinem Handgepäck. Vor allem aber laufe ich eher über Höfe als durch Parks und finde das sehr lehrreich. In Heringsdorf habe ich lange überlegt, was hier so anders aussieht als gewohnt. Meer, na klar. Dünengras. Haben wir zuhause nicht. Strandpromenade. Sehr schön. Weil hier aber jeder Quadratzentimeter touristisch genutzt wird, ist kein Platz für Omagärten, in denen Essen wächst, und dazwischen Bartnelken, mit Buchs eingefasst. Vor oder hinter dem Haus. Gärten von sinnloser Schönheit, die einfach nur da sind. Wenn es groß genug für einen anständigen Omagarten ist, passt halt auch ein Haus drauf. Der Vorteil dabei ist allerdings das vollständige Fehlen von Gartenzwergen.

Von Mechow nach Beenz

Mechow besitzt vier Ortseingangsschilder. Ich vermesse das Dorf. Zwanzig Minuten brauche ich, um alle vier zu sehen. Jedenfalls dann, wenn ich nicht mit dem alten Mann in dem blauen Arbeitsanzug bespreche, welches ein geeigneter Platz zum Zeichnen ist, oder ob sich ein Kilo Mirabellen für Marmelade lohnt. Er hat immer Einwände für mich, manchmal auch Zweifel. Er wohnt nämlich hier, gleich vorne an der Kirche. Ich dagegen bin nur zu Besuch.

Vom Hauptmannsberg zum Hullerbusch.

Zweimal bin ich diesen Weg hoch gelaufen. Gestern waren die Steine übereinander gestapelt. Steinmänner. In den Alpen gibt es die. Jemand ist den selben sandigen Weg gegangen, der gestern vor mir lag, fand reichlich Steine und genug Zeit, sie auszubalancieren. Schöne, glattrunde Steine. Schöne, glattrunde Steinmänner. Zwei Stück, wie die Pfeiler eines Torwegs. 

Heute waren die Steinmänner weg. Ein zweiter Jemand kam vor mir meinen Sandweg entlang und fand, das ginge so nicht. Die beiden Steinhaufen, die jetzt da liegen, sehen immer noch wie Pfeiler eines Torwegs aus. Rechts davon grasen Ziegen und Schafe.