#13

Der Rastplatz zwischen den Hecken ist der beste Fleck auf dem Gehöft. Die Nachbarin trocknet ihre Kräuter dort, und dieses Jahr ranken ihre Zuckererbsen bis zur Tischkante hoch. Davor stehen drei Pfirsichbäume, die hat sie selbst gezogen. Der dicke, rote Kater sonnt sich auf der Bank, die schon ganz ausgeblichen ist. Manchmal macht er mir Platz. Dann sonnen wir uns beide.

#12

Die Kinder schütteln den Mirabellenbaum. Es regnet gelbe Mirabellen. Die Kinder kreischen übermütig und schütteln gleich nochmal. Schön aufsammeln alle, sagt die Oma. Fertig ist das Kompott, und reichlich davon. Das Dorf ist einfach und logisch und ohne viel Vertun. Ganz genau so kühlt es auch sein Bier, kastenweise in fließendem Gewässer. Auch Kompott.

#10

Das Dorf hat eine Feldsteinkirche. Die steht da seit über 700 Jahren. Sie hat sich nur wenig verändert, weil das Dorf immer zu abgelegen, zu unbedeutend, zu arm war. Weder Prunk noch Zerstörung haben es erreicht. Die Kirche trägt immer noch ihr mittelalterliches Dach. Und doch ist offenbar Leben unter diesem Dach. In der ersten Reihe des Kirchengestühls liegen Sitzkissen. Sie scheinen verschiedenen Zeiten zu entstammen. Keines passt zum anderen. Als gingen die Menschen seit Generationen hier zur Kirche und hinterließen je ein Kissen als Stempel ihrer Zeit.