Archiv des Autors: Steffi

Am Rand des Oderbruchs.

Über die Jahre wird man seinem Garten immer ähnlicher. Während mein Garten ein Experimentierfeld ist, ein bißchen hiervon, ein bißchen davon, und alle Wege krumm, ist der der Garten meiner Mutter schön aufgeräumt. Die Beete sind ordentlich eingefasst, kein Unkraut traut sich raus. Viel weniger Pflanzensorten haben viel mehr Platz, und es tut ihnen gut. Was hier wächst, wird groß und stark. An manchen Stellen ist es mehr Feld als Garten. Mein Garten bereichert den Tisch, Mamas Garten ernährt.

Hühnerhof.

Die mit den hübschen Mustern sind Wyandotten, habe ich gelernt. Manche lassen sich von ruhiger Hand streicheln. Das liebe Kind durfte füttern helfen und hat zwei Federn mit nach Hause gebracht.

Frühlingsgarten und Frühlingsfensterbrett.

Die Schneeglöckchen sind schon verblüht, die meisten Krokusse auch. Die kleinen Osterglocken stehen dafür büschelweise und quietschegelb in allen Gärten, Blausterne leuchten, und die Weidenkätzchen treiben die Allergiker in den Wahnsinn. Ich kann zusehen, wie sich die Blätter an den Bäumen entfalten. Noch sind sie ganz klein und knittrig. Die Aprikose ist dicht mit dunkelrosa Blütenknospen übersät, die beim nächsten Sonnenschein explosionsartig aufbrechen. Der Lorbeer scheint gut über den Winter gekommen zu sein. Auf meinen Fensterbrettern ist beinahe alles aufgegangen. Die Kürbisse sind so groß, dass sie eigentlich raus müssten. Selbst die Lupine – Saatgut aus eigenem Bestand – bequemt sich ganz sachte mal ein Keimblatt rauskucken zu lassen.

Endlich Essen!

Eine zweite Lilienfarbe hat sich im Garten breit gemacht, noch mehr Krokusse in allerhand Farben, und endlich öffnen sich die Blütenknospen der Osterglocken! Das allerbeste aber ist, dass endlich wieder Essen wächst. Im Herbst hatte ich Bärlauch gesät. Der ist tatsächlich aufgegangen und blättert so vor sich hin. Noch ganz zart und hellgrün, aber auf das Pesto freue ich mich heute  schon!

Ein bißchen hiervon, ein bißchen davon

Ich habe kein System bei der Verteilung von Blumenzwiebeln. Wenn ich die im Herbst in den Garten schleppe, sehen sie alle gleich aus. Hutzelig und braun. Ich stecke sie in die Erde, wo eben Platz ist. Ich habe Gärten gesehen, die vermuten lassen, man könnte das auch bewusst gestalten. Grad heute erst. Eine geblümte Wiese. Immer ein weißer neben einem dunkellila Krokus, allesamt glückliche Pärchen. Kurz dachte ich: Schön. Kurz darauf jedoch: Ey, das ist doch total unrealistisch!

Erste Gartenarbeiten.

Liegen gebliebene Vorjahresgartenarbeiten, das sind im März die ersten. Bei Nachbars eine Leiter borgen, um den im Herbst begonnenen Apfelbaumschnitt mal fertig zu bekommen. Trockene Staudenpflanzen zurückschneiden. Neue Lilien fotografieren. Seit heute reicht die Sonne wieder bis an meine Gartenbank. Ich sitze ein bisschen rum. Das Kind übt unterdessen neue Buchstaben zu schreiben. Alles wie es sein soll.

Radieschen in the box.

Ich las in der letzten Ausgabe eines Gartenrauschmagazins, zu Ostern schmeckten frische Radieschen am besten. Frisch heißt in dem Zusammenhang: Hab ich selbst gemacht! Radieser werden nun aber erst im April oder Mai gesät. Ja, find ich auch doof, ist aber so. Es müssten schon sehr späte Ostern sein, wenn’s da Radieschen gibt. Nee, schrieb das Magazin, Radies ist die Kübelpflanze schlechthin. Die könne man getrost in Blumenkästen anbauen. Dasselbe Magazin zeigt allerdings auch regelmäßig Dekorationsbastelkram für Menschen mit Elfenhänden. Duftveilchen und Moos in Vogeleierschalen. Ich überprüfe das mit den Radieschen jetzt erstmal im Tetrapak. Passt ja höchstens ein Radies in so eine Amseleierschale, und Rote Riesen gar nicht.