Archiv des Autors: Steffi

Bunte Flecken.

Ich freu mich wie doof über jedes bunte Fitzelchen draußen. In den Gärten anderer Leute gibt es schon Lilien und noch Christrosen, schon gelbe Krokusse und frisch gesetzte, todesmutige Hornveilchen. Bei uns kommt die Sonne noch nicht weit genug um’s Haus. Aber bald!

Tach, kleine Blume!

Schneeglöckchen sind das Erfreulichste, was der der Februar so im Gepäck hat. Die wachsen, ohne dass ich sie je gepflanzt hätte, ganz von selbst in meinem Garten. Der Schnee schmilzt, und beim Müll runterbringen stehen sie plötzlich vor mir an der Hecke. „Tach, wir sind jetzt da! Wann kommen denn die anderen?“ Schneeglöckchen sind toll.

Frisch geschlüpft.

So sieht ein frisch geschlüpfter Kürbis aus. Drum herum das bekannte TetraPak, dazu Fensterplatz mit Sonne. Ungefähr eine Woche liegt zwischen Kürbiskern vergraben und ein Blatt kuckt raus. Bin gespannt, ob das jetzt zeitig genug vorgezogen war, um im Herbst mal einen Kürbis zu ernten.

Upcycling TetraPak

Pinterest ist einer der Dienste, die ich lange nicht verstanden habe. Lauter hübscher Schnulli wird da gesammelt. Staubfänger und Stehrümchen, mit und ohne Bommeln. Dann habe ich angefangen zu nähen. Plötzlich war Pinterest das notwendigste Werkzeug der Welt. Schnittmuster! Stoffe! Nähmaschinen-Hacks! Nächtelang bin ich darin herumgestolpert.

Eher versehentlich habe ich dabei die große Nützlichkeit von Pinterest für Gartenprojekte entdeckt. TetraPak als Anzuchtkiste für Jungpflanzen zu verwenden, wäre mir so erstmal nicht eingefallen. Hat sogar ein eingebautes Entwässerungssystem. Oder, je nachdem, wie rum die Kisten liegen, eine Halterung für die Saatguttütchen.

Die meisten UpCycling-Ideen kranken leider an ihrer enormen Häßlichkeit, die durch Funktionalität allein nicht aufgewogen wird. Ihr kennt das berühmte TetraPak-Portemonnaie? Die Idee ist gut, aber es bleibt am Ende Bastelscheiß, den man nur aufhebt, weil die Dreckpfötchen, die das mühsam zusammengekleistert haben, die des weltallerliebsten Kindes waren. Meinen eigenen Bastelleistungen stehe ich kritischer gegenüber. Isses doof, kommt es weg.

Eine aufgeschnittene Apfelsaftpackung ist ganz sicher keine Zierde. Es wird nirgends wohnlicher damit. Jedoch: die Plastekisten, die mein Baumarkt für den selben Zweck verkauft, sind noch häßlicher. Drum haust die Kresse für die Stullen einstweilen im TetraPak. Mit Kresse drin sieht ja fast alles gut aus.

Wintergarten

Der hundertfünfzig-Euro-Schlüppi.

Neulich bei den Mikrodilettanten (der beste Podcast von der ganzen Welt) wurde darüber nachgedacht, wie überlebensfähig Menschen sind, wenn ihre Infrastruktur wegfliegt. Den genauen Zusammenhang hab ich vergessen, und nein, ich mach‘ keinen neuen Tab auf. Ich denke seitdem darüber nach, was ich a) kann, und was davon b) nützlich ist. Ja, ich weiß: Viele Variablen. Was ist nützlich, und wie kaputt ist die Infrastruktur genau? Kann ich googeln? Seien wir großmütig und übergehen das für den Moment.

Brot backen habe ich deshalb gelernt, weil es mir so oft gefehlt hat in den sonnigen Weißbrotländern. Garten habe ich gelernt, weil ich Garten in der Stadt von allen Dingen am meisten vermisst habe. Stricken habe ich gelernt, weil das in den Achtzigern wohl auch schon mal als cool galt. Gerade lerne ich nähen, und ich kann exakt so viel, dass ich nie nackt raus müsste. Hemd, Schlüppi, Shirt und Rock hab ich nur deshalb genäht, weil ich wissen wollte, ob ich das kann. Kann ich. Mich beruhigt das sehr, auch wenn es mich allein im Wald mit nichts als zwei Steinen zum Feuerschlagen in Händen womöglich nicht wärmt.

Während ich so nähte, habe ich über die Nützlichkeit meiner Fähigkeit, Schlüppis zu nähen, nachgedacht. Dazu ist beim Nähen viel Zeit, selbst wenn nur vier Stoffstücke aneinander gefügt werden müssen. Mit Schnittmuster drucken, ausschneiden, auf Stoff übertragen, Stoff zuschneiden, Nähanleitung lesen, nähen, auftrennen, Nähanleitung verstehen, Stoff richtig herum annähen, Schrägband basteln (aus Jersey. Ich Idiot!), Schrägband annähen, Bündchen zuschneiden, stecken und nähen drei Stunden. Da fällt mir doch unterdessen Verschiedenes zum Thema Nützlichkeit ein. Zum Beispiel, dass ich grad mal lässig einen hundertfünfzig-Euro-Schlüppi genäht hab, wenn ich ohne Material und Mehrwertsteuer rechne.

Es ist okay, das zu können. Es ist vollkommen bekloppt, das zu tun.

Zickzack mit Blümchen.

Was lernen, hatte ich gesagt. Vor allem aber: Was machen. Zeit darauf verwenden, dass Zeug so ist, wie ich es haben will. Bügeln. Zuschneiden. Nähen. Steppstich und Zickzack. Bündchen und Schrägband. Keine Angst, ich mach‘ keinen Dawanda-Shop auf. Ich behäkle auch nicht die Stofftiere. Dass ich halbwegs anstrengungsfrei einen Rock nähen kann, gefällt mir. Aber eher so tapferes Schneiderlein als Rapunzel am Stickrahmen.

Bestens erklärt, mit Schnittmuster und bebilderter Anleitung findet ihr den Ratz-Fatz-Rock im Blog von pollypünktchen. Danke!