Archiv des Autors: Steffi

Fensterbrettgarten.

IKEA verkauft diese grünen Kaffeebecher. Dazu gehören drei Batzen Erde, die wie der Kaffeesatz aus guten Espresso-Maschinen aussehen. Runde, kompakte Pads. Und drei Tütchen mit Kräutersamen: Koriander, Thymian, Basilikum.

Der Kronsohn vermisst unseren Garten offenbar auch, ich musste ihn nicht lange überreden, aus Bechern, Pads und Kräutertütchen einen Fensterbrettgarten zu machen. Wer besser aufpasst als wir, sieht sofort, dass die Namen der Kräuter praktischer Weise schon auf die Becher gedruckt sind. Wer besser aufpasst als wir, sät dann auch keinen Koriander in den Thymiantopf. (Dem Thymian ist es egal. Der kann nicht lesen.)

Der Kronsohn hat dann eine Weile zugesehen, wie die Kräuter keimen. Ging ihm aber nicht schnell genug. Heute, nach einer Woche, könnte ich ihm das erste grüne Keimblatt zeigen. Der Thymian, der nicht lesen kann: Der kuckt jetzt raus!

Vorsätze

Ich habe vor kurzem angefangen, Dinge wieder selber zu machen. Dinge, die ich ebensogut kaufen könnte. Nur weniges musste ich dafür ganz neu lernen. Nähen konnte ich immer, aber die Maschine ist dazugekommen. Ton hatte ich zuletzt vor 20 Jahren in den Händen. Fühlt sich immer noch gut an. Vielleicht versuche ich mal die Drehscheibe. Stricken geht leicht mit diesen Bambusnadeln, und mir ist auch wieder eingefallen, wie Maschen aufgenommen und abgekettelt werden. Gartenkram bleibt. Garten ist wichtig.

Woher das Bedürfnis danach kommt, kann ich nur vermuten. Ich sitze die meiste Zeit am Rechner. Wenn ich schreibe, wenn ich coloriere, wenn ich Fotos bearbeite. Mir fehlt etwas Greifbares. Ich möchte meine Fähigkeiten nicht verlieren. Ich habe Sehnsucht nach Unikaten. Und ich hab‘ justierbare Daumen. Denen such ich jetzt eine Aufgabe. Zu Trainingszwecken.

Wintergarten

Ab morgen, sagt der Mann, werden die Tage wieder länger. Wie er das so sagt, vermisse ich den Winter. Der sollte jetzt sein. Heute, morgen, übermorgen. Ich war eben im Garten. Aber nee, kein Winter da. Die Primel hat zwei frische, gelbe Blüten. Das Geißblatt hat offenbar nie aufgehört zu blühen. Selbst die Strohblume trägt noch rosa. Nur der Strauch, dessen stachelige Blätter überall auf der Weihnachtsdekoration drauf sind, verhält sich vorschriftsmäßig. Wie hieß der noch gleich?

Das Vogelfutterhaus habe ich vorsichtshalber aus dem Keller geholt. Gefüllt ist es noch nicht. Kein Frost, keine Schneedecke. Die Piepmatzbande kommt klar, schätze ich.

Aus dem Garten von.

Stempel. Ich weiß, ich bin zu alt für den Scheiß. Ist egal, ich bestemple trotzdem alles, was geht und behaupte dem Finanzamt gegenüber, das sei Grafikdesign. Den Gartenstempel wollte ich schon lange machen. Gestern kam das Päckchen vom Stempelschneider. Hübsch isser geworden!

Cosmea Orange

Gerade geschenkt bekommen: Meine Lieblingsblume in einer Farbe, in der ich sie noch nie gesehen habe. Cosmeen sind sonst weiß, rosa oder kräftig pink. Diese hier ist eine Seltenheit, und ich hoffe, sie wird groß und schön und blütenreich. Dankeschön!

Gartenlogbuch: Oktober bis Dezember

Der vierte und letzte Teil des Gartenlogbuchs zum Selberschreiben ist fertig! Ja, ich weiß – Teil 3 endete im September, und ihr müsst jetzt nachtragen, was ihr im Oktober und November gemacht habt. Dafür könnt ihr euch im Dezember auf Bücherlesen und Rumtopf verputzen konzentrieren. Viel Spaß damit!

Download Teil 4 als PDF (3 MB)

Der Superschurke des Mittelalters.

Es gibt wohl gar kein Bild von Gilles de Rais, das ihn als das zeigt, was er neben reich, berühmt und waffengewandt noch war: Ein Superschurke.

Überliefert ist er als Ritter, als der ehrenwerte Marschall Rais, der sich „huch! Wie konnte das passieren?“ auf dem Scheiterhaufen wiederfindet. Da enden, wie jeder Mensch weiß, nur die Ketzer, und das ist von heute aus betrachtet ein anderes Wort für Personen mit Verstand.