Archiv der Kategorie: für draußen

Mit Gold.

Na, Gold stimmt nur fast. Goldruten heißen sie, die gelben Puscheldinger da, die wie Staubwedel aussehen. Aber Gelb ist mir im Grunde viel lieber. Diese da sind wieder aus’m Hausmeisterbeet, aber eine hat sich auch bei mir im Garten angesiedelt. Jetzt, wo ich sie kenne, werde ich ein bißchen auf sie achten.

Neu im Garten.

Ich hatte mir Phlox gewünscht. Hortensien sowieso. Aber dass ich Montbretien brauchen würde, war für mich auch eine Überraschung. In dem Blumenladen an der U-Bahnstation, den ich noch nicht mal wirklich leiden kann, standen sie. Ich konnt‘ die da nicht lassen. Schmales, langes Blatt wie eine Lilie (hat seine Richtigkeit, gehört zu den Schwertliliengewächsen). Flammende Blüten, gelb und orange, zweizeilig angeordnet. Eine elegante Dame in meinem Bauernbeet. Hoffentlich knallt ihr kein Appel uff’n Kopp. Aber was für’ne Schönheit!

Gartenlogbuch Juli

Nur kurz nicht da gewesen, schon ist mir ein kleiner Urwald gewachsen. Ohne die pflegende Hand meiner Gartennachbarin gehörte mir statt dessen vermutlich jetzt eine Wüstung. So aber blüht mir allerhand, und die Tomate namens Harzfeuer wird rot und immer roter. In die Cosmeen bin ich ganz verliebt. Aber was die Herbstanemonen jetzt schon wollen … so geht´s ja nicht, ey! Aus was soll ich denn Sträuße machen, wenn es wirklich Herbst wird? Mein hervorragender Blecheimer sieht aus wie ein Dekoartikel aus „Der schöne Garten“, die Bartennelkensaat ist aufgegangen. Die Aprikose – ein Einzelstück übrigens – heisst Ungarische Beste. Mal sehen, ob sie auch so schmeckt.

Mein Rumtopf enthält unterdessen Erdbeeren, roten Johannisbeeren, Sauerkirschen, Brombeeren und Blaubeeren in 2 Flaschen Havanna Club.

Landleben.

Wenn ich drei Wochen draußen bin, wo der Mangel an Internet durch ein Übermaß an Seen und Obstbäumen ausgeglichen wird, überlege ich oft, ob ich hier leben könnte. Richtig leben. Für immer ohne Schienenersatzverkehr. Weil einfach nichts hin fährt. Vielleicht bleiben manche nur hier wohnen, weil es so schwer ist, wieder weg zu kommen. Drei Wochen lang kann ich das sehr gut aushalten. Vielleicht sogar vier oder sechs oder acht. Etwas abseits der Welt, artenreich und menschenarm. Irgendwann hätte ich alle Bücher gelesen, alle Sauerkirschen verkocht und auch überhaupt keine Lust mehr, Pilze sammeln zu gehen. Und dann?

Das Landleben sieht anders aus, als es Zeitschriften wie „Landlust“ vermuten lassen. Niemand beschäftigt sich ernsthaft damit, aus Getreidehalmen Serviettenringe zu flechten. Zumindest niemand, den ich kenne. Allgemein werden auffallend wenig karierte Schürzenkleider getragen. Selbstgenähte zumal. Die Bauergärten, die immer so hübsch aussehen, ja? Noch nie einen gesehen. Die Bauern müssen jetzt nachts Trecker fahren, um das Getreide vom Halm zu holen. In echt hat hier kein Mensch Zeit. Außer den Urlaubern. Blumengestrüpp wächst unbeaufsichtigt vor sich hin, Äpfel werden reif und fallen runter. Geharkt wird auf dem Friedhof, und nur an hohen Feiertagen. Die Muße, die ich habe – die hat niemand sonst. Möchte ich ohne Muße hier leben?

Neben mir schläft mein Kind. Sein Schlafanzug ist gestreift, die Socken blau. Er schnarcht erkältet vor sich hin. Viel zu groß das Kopfkissen, das Bett und die Decke. Ich streichle kurz über seine sommerschwitzigen, weichen Haare. Doch, Leben ist einfach. Nein, viel mehr brauche ich nicht. Was draußen um uns herum ist, ist vielleicht gar nicht so wichtig. Nur, dass wir beide zusammen hier sind. Oder woanders.

Gartenlogbuch Juni.

Der Juni ist zuende, mit ihm die Erdbeeren. Die schwarzen Johannisbeeren sind schon Marmelade. Die Marmelade ist meistanteilig schon verfrühstückt. Gerade gibt es Himbeeren. Und Blumen! Unmengen Blumen. Und Arbeit, jede Menge Arbeit. Es wächst auch dauernd welche nach, beispielsweise an den Bäumen. Ich glaube, es wird ein Apfeljahr. Außerdem wird es ein Zuccini-Jahr. Schade, dass man aus den doofen Schnecken nichts genießbares machen kann, denn ein Schneckenjahr ist es leider auch.

Garten für Eilige.

Die Erdbeeren hatten beschlossen, binnen einer Woche allesamt reif zu werden. Die, die jetzt nachreifen, sind schon deutlich kleiner und auch nicht mehr so viele. Also schnell noch den Rumtopf angesetzt. Die Zuccini blühen, die erste Kapuzinerkresse auch. Weil ich sie vergessen habe, blühen sogar die Radieschen. Weil alles für irgendwas gut ist, binde ich sie in Sträuße ein und stelle sie in Vasen. Der Rest ist Urwald und soll es auch sein.

Fundstück.

Ich wohne klein, ich sammle nichts. Vintage ist für die anderen, ebenso shabby chic und Retro. Meine Oma ist zeitgemäß eingerichtet. Interessante Dachböden gibt es nur noch in den Artikelbeschreibungen bei eBay. Ich mag Flohmärkte nicht besonders, und die meisten second-hand-Läden riechen komisch.

Trotzdem gehört mir jetzt dieser Eimer da. Stand mutterseelenallein neben den Mülltonnen. Da, wo sonst immer aussortierte Radios stehen. Das Beste aus den Neunzigern. Mein Eimer ist fast siebzig Jahre alt. Wer hebt sowas auf? Wer wirft sowas weg?

Nehmen Sie einen alten Metalleimer und malen Sie Blumen darauf, las ich neulich in einer Bastelanleitung. Ich habe flugs umgeblättert. Jetzt, wo ich einen alten Metalleimer habe, werde ich ihn möglicher Weise mit altmodischen Blumen bepflanzen. Anmalen werde ich ihn gewiss nicht. Ich find den gut so.