Archiv der Kategorie: für draußen

Gartenlogbuch Mai.

Heute oder morgen werden die ersten Erdbeeren reif. Die Bartnelken blühen, die Zuckererbsen blühen, die Grasnelken blühen. Die Kartoffeln sind aufgegangen. Alles viel zu früh, viel zu heftig. Die grüne Explosion da draußen zwingt alle zwei Wochen zum Rasenmähen, und die Hecke bräuchte auch schon wieder … aber ach! Ich lass das so. Ein paar Tage geht´s noch.

Shoppingqueens in Gummistiefeln.

Ich rauschkaufe eher selten. Das hat auch mit dem Fassungsvermögen meiner Wohnung zu tun. Ich habe nie sehr geräumig gewohnt. Ähnlich klein wie meine Behausung ist mein Garten. Es passt kein einziger Baum mehr rein, wo ich so gerne noch einen Klarapfel, einen Spilling, einen Clapps Liebling … na, egal.

Falls ich doch einmal rauschkaufen muss, fahre ich zum Pflanzenverkaufstag in die Gartenarbeitsschule Pankow und wähle in der Hauptsache essbare, einjährige Pflanzen. Kohlrabi und Salate, Kürbis und Zuccini. Von Pflanzengrößenberechnungen und Quadratmetervorstellungen befreit, packe ich ganz ungehemmt Kräuter in meinen Einkaufskorb. Paprika, Tomaten, Zuccini, Kürbis und, weil sie so hübsch aussehen, auch noch Sellerie und Fenchel. Sollte das wirklich alles wachsen, wird´s im Sommer ganz schön eng im Garten.

Andererseits hat mir selten ein Einkauf das großartige Gefühl sinnvoller Geldrausschmeißerei verschafft wie dieser. Beruhigend auch, dass ich nicht die einzige war. Befreundete Nachbarinnen, Lieblingskolleginnen und ihre Kinder stellten sich zusammen mit mir in die nicht eben kurzen Schlangen zu Gewächshaus und Verkaufsständen. Sie warteten geduldig und freuten sich erst über die Sonne, dann über winzige Cosmeen, kleine Studentenblumen, ausgewachsene Duftgeranien. Sie nahmen genau wie ich den Porree mit, den wir eigentlich gar nicht auf dem Einkaufszettel hatten. Weil der eben da war, gut roch und wir den Eintopf daraus schon schmecken konnten. Dieses Pflanzeneinkaufsfestival im Frühjahr ist mein persönliches Woodstock. Mehr Kaufrausch braucht kein Mensch.

Pflanztag.

Heute gekauft, eben gepflanzt:

Cosmea
Zinnie
Koriander
Paprika
Gurke
Strohblume
Kopfsalat
Eisbergsalat
Fenchel
Petersilie
Tomate Harzfeuer
Schnittlauch
Bohnenkraut
Zuccini
Kürbis Butternut
Kohlrabi
Knollensellerie

Bin gespannt, was das wird. Und wann.

Gartenlogbuch April.

Nach exakt einem Jahr ergibt das Gartenlogbuch Sinn: Wie anders das alles aussieht, verglichen mit dem letzten April ! Auf gute und grüne Art anders. Die Erdbeeren, jetzt zweijährig, sind prächtige Stauden und haben sich sehr ausgebreitet. Die Stachelbeere sitzt voll, die schwarze Johanna ebenso. Eine letzte rosagrüne Angebertulpe ist noch dazu gekommen. Die Erbsen sind deutlich weiter und scheinen ihr Klettergerüst zu mögen. Komplett gleich sieht eigentlich nur die Kresse aus.

Schwärmerei und Berauschung.

Im Herbst lässt die grüne Üppigkeit des Gartens nach. Die Frage, ob gemäht werden müsste, wird immer häufiger und fast bedauernd mit nein beantwortet wird. Der Garten macht nicht mehr viel und will nichts mehr, nur seine Ruhe. Das meiste ist geerntet. Schnecken und Unkräuter ziehen sich zurück. Wir stellen die Stühle rein und räumen auf. Die Party ist vorbei.

Gegen Herbstkater hilft der Gedanke an den Frühling, der kommt. Ich erinnere mich, im September oder Oktober diesen einen Katalog durchgeblättert zu haben. Frühblüher, manche mit Fotos, andere nur beschrieben. Narzissen, Krokusse, Schneeglöckchen, Tulpen. Vor lauter Herbst habe ich von allem etwas gekauft. Vor lauter Herbst gab es dafür ausreichend Platz im Garten.

Sehr planvoll habe ich meine Blumenzwiebeln überall verteilt und mit aussortierten Esslöffeln ihre Standorte markiert. Dann kam, wie es sich gehört, der Winter. Die Farbe, die ich zum Esslöffelbeschriften verwendet hatte, war hoffentlich umweltverträglich, jedoch nicht winterfest: Sie blätterte ab. Im Januar konnte ich zwar erkennen, dass überall dort, wo ein Esslöffel im Boden stak, ein Frühblüher wachsen sollte. Das ist nützlich, wenn man bemüht ist, auf etwas Unsichtbares nicht zu treten. Nicht mehr nachvollziehbar war allerdings, was genau dort wachsen sollte und welche Farbe das haben würde.

Seit ungefähr zwei Tage sind alle Tulpensorten aufgeblüht. Ich könnt´ die ganze Zeit auf der Gartenbank daneben sitzen und mich an den Farben besaufen!

Rot gewinnt.

Meine Spezialtulpen aus´m Katalog sind etwas prinzessinnenhaft und halten die Blüten geschlossen. Die gewöhnliche rote Tulpe der vorherigen Besitzer des Gartens hingegen blüht als gäb´s kein Morgen.

Die Allerschönste.

Die Tulpen, die ich im Herbst gesetzt habe, fangen in diesen Tagen an zu blühen. Weil ich selber nicht genau sagen, was für Zwiebeln ich da so alles vergraben hatte, gehe ich ungefähr jeden Tag nachsehen, ob schon eine fertig ist. Aktuell sieht es danach aus, als würde schwarzlila das Rennen machen, aber zwei verschiedene roten Tulpensorten sind auch nah dran. Was da sonst noch hinterher kommt: Völlig unabsehbar. Aber ich mag ja Überraschungen. Die allerschönste Überraschung: Die verloren geglaubte Pfingstrose hat neue Blätter und will wohl doch länger bleiben. Außerdem ist der rotstielige Mangold aufgegangen, die Erdbeeren haben Blütenansätze, der Rhabarber entfaltet sich Blatt für Blatt und der Bärlauch blüht.

Gartenlogbuch März.

Die erste Aprilwoche ist vorbei, und im Garten sieht es aus wie im Frühsommer. Nachts hat es geregnet, ohne sich abzukühlen. Also gehen gerade alle meine Saaten auf. Die letzten Regentropfen schimmern in der Morgensonne. Wenn ich nachher nach Hause komme, wird alles trocken und warm sein. Vielleicht gehen in den nächsten Tagen die ersten Tulpenblüten auf. Der Apfelbaum hat reichlich rosa Knospen. Die Vergissmeinnicht sind lila, bevor sie blau werden.