Archiv des Autors: Steffi

Der Garten von Clarisse

Im Garten von Clarisse steht eine Voliere mit Finken. Eigentlich, sagt sie, wollte ihr Freund einen Hund. Die Finken können gar nichts, findet Clarisse. Nur Radau machen und hübsch aussehen. Das aber beides überdurchschnittlich gut. Ich mag die Finken. Die sind zu zehnt haben die ganze Zeit Kunststücke vorgeturnt, als ich die Himbeeren, die Minze, den Lavendel und die Erdbeeren gezeichnet habe. Es ist ein sehr kleiner Garten. Helle Kieselsteine statt Rasen. Eine Kabelrolle als Tisch. Zwei Liegestühle lehnen am Schuppen. Der Sommer ist vorbei, auch hier. Kräuter sehe ich. Eine Kletterrose. Alles da, was in einen Garten gehört. Und die Finken.

Berlin – Paris – Nantes

Im Reiseführer steht, in Frankreich hilft dir niemand weiter, wenn du nicht französisch sprichst. Die gleichermaßen schöne und liebenswürdige Busfahrerin am Flughafen wusste das vielleicht nicht. Ihr Lidstrich war beeindruckend, ihr Lächeln ausgeruht. Sie hat gesagt, sie käme auf dem Weg zur Champs Elysee auch am Gare Montparnasse vorbei. Auf englisch hat sie das gesagt. Das hat mir geholfen. Und der Mann, der mir mein Abendbrot verkauft hat, fand es auch gar nicht schlimm, mir seine Frage in zwei Sprachen stellen zu müssen. Schlimmer fand er es, dass ich die Quiche wirklich lieber kalt essen wollte. Auf der Cola, die er mir dazu gegeben hat, steht Charles. Wie der ewige Prinz. Ob das ein Zeichen von Missbilligung ist? Falls ja, dann ein sehr dezentes. Am allerbesten hat mir aber der Schaffner im TGV von Paris nach Nantes gefallen. Kein Mann, sondern ein Herr. Grau, Haare wie Anzug, groß und so dünn, dass alle seine Sachen aussahen, als gehörten sie jemand anders. Dafür hatte die Strickjacke, die er darunter trug, die selbe Farbe wie die Sitzpolster des Zuges. Dunkles Rosa. Auch wenn ich weiß, dass das Teil eines Corporate Designs ist: Es war das einzige Kleidungsstück, das gut zu ihm passte. Seine Mütze war nicht die strenge, militärische Schirmmütze. Er trug eine weiche Schiebermütze, wie sie Imkern oder Gärtnern gut steht, oder vierjährigen Lausebengels. Pascal stand auf seinem Namensschild, und ich hätte gerne gewusst, ob das der Vorname oder der Familienname war. Monsieur Pascal. Der gebrauchte kaum Worte, ein bißchen merci vielleicht, etwas Kopfnicken dazu. Und doch war er sehr freundlich, wenn er die Leute über seinen Brillenrand ansah, etwas in sein Fahrscheindruckmaschinchen tippte oder sich Ausweise zeigen ließ.
Mein Reiseführer hat wirklich keine Ahnung von Frankreich und den Franzosen. Ich werde ihn wohl irgendwo unterwegs liegen lassen und lieber richtige Menschen fragen. Clarisse vielleicht, die uns heute und morgen ihre Couch zum schlafen überlässt.

Statt Land: Fluss. Der Volkspark Rehberge

Nur schnell einen Schluck Landschaft, dachten wir. Ein bißchen Weite zum Schweifen. Einmal durch´s Laub rennen, bevor der Berliner Premium-Herbst vorbei ist. Keine Zeit, die Stadt zu verlassen. Keine Lust, zuhause zu bleiben. Fluss wäre schön, Kanal ginge auch. Ein See vielleicht?

Der Volkspark Rehberge im Berliner Wedding ist wie der Stadtforst der nächstgelegenen Kleinstadt. Mittendrin stehen doppelt eingezäunt ein paar Mufflons und ein bißchen Federvieh, am Kanal wird geangelt und im Stadion läuft ein Bezirksligaspiel. Dazwischen sind Alleen mit Bäumen so hoch, dass kein Himmel mehr bleibt, wilde Wiesen und jede Menge Bänke. Die Kleingärten drum herum sind je nachdem, wie man selbst ist, entweder spießig oder eine Ansammlung lustiger Einfälle, weitgehend aber zwergenfrei.

Volkspark Rehberge

Für die Ausflugsplanung:

Volkspark Rehberge
Windhuker Straße 52A
13351 Berlin

Bus 221 (Haltestellen: Transvaalstraße oder Otawistraße)

Apfelkuchen, ganz einfach.

Ich brauchte gestern sehr schnell ein simples Rezept für einen Apfelkuchen. „Simpel“ im Sinne von: Ich habe Äpfel und eine Springform, um die Ecke ist ein Späti, und gleich kommt Besuch.

Zwei freundliche Menschen auf Twitter haben mir ausgeholfen, und zwar @subraumpixel und @chilligonzales – beiden danke ich sehr. Welchen der beiden Kuchen es gestern gab, hat das Sortiment im Späti entschieden. Der hatte keine Mandelblättchen, und Aprikosenmarmelade auch nicht, wohl aber alles, was für einen einfachen Rührteig benötigt wird.

Der geht, wie ich gestern gelernt habe, so:

Na, dann einfach für eine Springform

250g Margarine,
200g* Zucker,
5 Eier nacheinander verrühren.
250 g Mehl dazu, fertig.

(beim Mehl kommt freilich noch Backpulver dazu.)

*je nach Belieben mehr oder weniger. 1 Vanillezucker dazu ist auch gut. Zitronenabrieb passt imho auch bestens.

Den Teig in die Springform und Apfelschnitten leicht reindrücken. Ca. 45 Min bei ca. 175 Grad backen.

Hab ich genau so gemacht. Hat genau so funktioniert. Es ist genau diese Sorte Rezept, die mir oft fehlt: Von schlichter Schönheit, und passt in dreimal 140 Zeichen. Danke!

apfelkuchen

Den Florentiner Apfelkuchen von @chilligonzales habe ich mir für´s nächste Mal vorgenommen. Da muss ich vorher aber mal richtig einkaufen gehen, in der Zuckerbäckerabteilung des lokalen Kaufmannsladens.

Gartenlogbuch Oktober

Die letzten Äpfel sind gepflückt. Zinnien und Strohblumen tragen immer noch Blütenknospen. Drei Kürbisse haben angesetzt, aber reif werden sie wohl nicht mehr. Wie im letzten Jahr erstaunen mich die Himbeeren, die ich schon im Juli abgeerntet glaubte. Verblühende Hortensien sehen schön aus. Das hatte ich vergessen. Die Vergissmeinnicht für´s nächste Jahr stehen glänzend und dicht. Dieses Jahr war das erste mit Basilikum. Gestern geerntet, Pesto draus gemacht, sofort und ohne Reste verspeist. Eine späte Sonnenblume hat sich noch blicken lassen und steht jetzt in einem Blumenstrauß. Außerdem ist der halbe Apfelbaum ausgelichtet. Das sieht aus wie eine halbfertige Frisur, aber mehr habe ich nicht mehr geschafft.

Großer Mist!

Ich wusste, ich würde allmählich düngen müssen. Der Boden ist irgendwann erschöpft. Er musste viel leisten, in den letzten beiden Sommern. Ich wollte ihm etwas Gutes tun. Eine dampfende Fuhre Pferdemist – klingt blöd, aber einen ausgelaugten Gartenboden freut sowas.

Pferdemist im Stadtgarten macht zwei Sorten von Sorgen. Zunächst ist da die Sorge um das bisher durchaus gute Verhältnis zu den Nachbarn. Wir reden von Mist in einer nicht geringen Menge. Die zweite Sorge geht in Richtung Beschaffungskriminalität. Fast so schwer wie Gartenabfälle in der Stadt zu entsorgen ist es, ebendort eine Fuhre Mist aufzutreiben. Da, wo der Stadtgarten ist, stellt kein vernünftiger Mensch ein Pferd hin.

Ein drittes Jahr mit zu späten, zu kleinen, zu grünen Kürbissen wollte ich andererseits auch nicht. Ich habe mich durchgefragt und allen Besuchern meines Gartens von den Wundern organischer Düngung vorgeschwärmt. Kann ja gar nicht sein, dass niemand weiß, wo man einen Haufen Mist herbekommt.

garten-02

Ich erwähnte also fast schon gewohnheitsmäßig mein Beschaffungsproblem, als mein Freund und Nachbar Jan vorbeikam. Eigentlich, um mir mit dem Baumschnitt zu helfen. „Wenn´s weiter nichts ist! Warte, ich ruf kurz meinen Bruder an, wann wir kommen können.“ Vor Freude schnitt ich den Flieder gleich noch ein bißchen kürzer ab.

Dann kaufte ich die größten und stabilsten Müllsäcke, die es gibt. Denn ich verfüge weder über einen Anhänger noch hat mein Auto eine Anhängerkupplung. Wir würden den Mist im Kofferraum transportieren müssen. Das klingt erstmal nach „zwei Männer tragen eine Glasscheibe über die Straße“. Es funktioniert, wenn die Säcke nur halbvoll sind. Mist ist schwer.

Der beste Ehemann der Welt setzte sich an meiner Stelle mit ins Auto, holte gemeinsam mit Jan einen Kofferraum voller Pferdemist, lieh anschließend die Hausmeisterkarre aus und stellte mir sieben blaue Säcke feinsten Mist ohne Stroh in den Garten. Noch warm. Vergiss Blumen und Pralinen! Ich staune manchmal selbst, womit man mir eine Freude machen kann.

Auch meine erste Sorge, die um den Geruch, war unbegründet. Pferdemist stinkt nicht, und reißfeste Müllsäcke sind reißfest.

Ich habe das alles schön gleichmäßig im Garten verteilt. So, Kürbis: Und jetzt kommst du!

Pilzefinden.

Das kleine Kind findet Wald doof. Es findet Pilze suchen doof. Es kann Spazierengehen nicht leiden. „Ich warte lieber im Auto auf euch.“ Das lassen wir das Kind nicht. Findet es erst recht doof. Dafür freut es sich über einen Fliegenpilz. Weil: Den kennt es. „Mama, da ist ein Fliegenpilz!“ In den Wäldern aller seiner Kinderbücher wachsen Fliegenpilze. Bei Axel Scheffler manchmal auch Braunkappen, aber Pfifferlinge, Schirmpilze, Butterpilze – nirgends. Bücher voll mit Fliegenpilzen. Und dann steht da Gottseidank endlich ein einziger Fliegenpilz im Wald, und das Kind freut sich, weil es seinen Namen sagen kann. Fliegenpilz. Das ist doch was anderes als diese blöden „Baronen“, von denen die Eltern immer erzählen. Wenn’s die wirklich gäbe, wären die ja wohl auch in einem Buch drin.

Berliner geht´s nicht.

Den Naturpark Südgelände, einen ehemaligen Rangierbahnhof in Berlin-Tempelhof, würde ich vorzeigen, wenn mich jemand fragt, wie Berlin ist. Mach halt was aus dem, was da ist. Berlin. Lass´ doch Gras drüber wachsen und sag´ Park dazu. Zwischen zwei Schienen passt immer noch eine Birke, die wachsen ja schnell. Berlin. Du hast ´ne olle Dampflok über und zum Wegschmeißen isse zu schwer? Mach´n Schild dran: Denkmal. Berlin. Weißte, es gibt im Grunde nichts, worin man nicht ein Café eröffnen könnte. In einer Brückenmeisterei? Na selbstverständlich! Stell schon mal die Stühle raus! Berlin. Wenn schon alles voller Graffiti ist, kannst du das Sprayen auch einfach erlauben. Das Südgelände ist alles, was ich an Berlin gut leiden kann. Es bemüht sich nicht im Geringsten um dich. Es ist einfach da. Es tut auch nicht, als wäre es etwas anderes als ein verwilderter Rangierbahnhof mitten in der Stadt, mit Krach rechts und Industrie links und Hagebutten dazwischen. Das ist erstaunlicher Weise sehr erholsam.



Für die Ausflugsplanung:

Prellerweg 47-49, 12157 Berlin
Haupteingang S-Priesterweg (S2, S25)
Eintritt 1,00 € (ab 14 Jahren)

Öffnungszeiten
Täglich ab 09.00 Uhr bis 16.00 Uhr (November bis Februar)
bis 18.00 Uhr (März und Oktober)

bis 20.00 Uhr (April und September)
bis 21.00 Uhr (Mai bis August)