Archiv des Autors: Steffi

Alle bekloppt.

Angeblich ist Herbst, und manche sagen, da fällt welkes Laub in superen Farben von oben nach unten. Ich sitze mit der Rechenmaschine auf der Gartenbank. Sonne auf der Brille, Sonne auf dem Bildschirm. Die Rose blüht, die Zinnie blüht, alle Bäume haben noch alle Blätter. Ich käme gut damit zurecht, wenn ich nicht vorhin entdeckt hätte, dass die Krokusse jetzt auch mitmachen wollen. Das, Freunde, geht zu weit!

Das große Aufräumen.

Irgendwann, ich war grad nicht da, ist die Zuccini einfach über alles drüber gewachsen. Ich mag Zuccini, ich hab sie gelassen. Die blüht immer noch, ich ernte weiterhin. Wir kommen gut miteinander aus. Eintopf, Auflauf, mit Möhrenstreifen an Spagetti oder gefüllt – ich hab immer noch mehr Ideen als Zuccini.

Bloß um die Zuccini herum war ein bißchen der Sonntag raus. Welk hingen die Kartoffelstrünke, der Lavendel abgeblüht. Vereinzelte Möhrchen tummelten sich bei den Erdbeeren, die im übrigen das erstaunlichste aller Unkrautvernichtungsmittel sind. Zwischen zwei Erdbeeren passt genau: nichts. Sie haben Anker um Anker ausgeworfen, Schnur um Schnur gezogen, alles umrankt und damit selbst den Giersch erlegt. Ich begrüße das sehr. Die Himbeeren haben sich unterdessen selbständig gemacht und gehen eigener Wege. Ich weiß nicht genau, wie sie das machen, aber ich finde dauernd neue Triebe. Noch schimpfen die Nachbarn aber nicht, ich lasse den Himbeeren ihren Lauf.

Heute war der Tag, an dem ich aus dem ganzen Krempel wieder Beete gemacht habe. Mit geraden Kanten, ohne Strünke, ohne Erdbeerteppich. Junge Erdbeeren in ein neues Beet, alte Erdbeeren raus. Kartoffeln ernten. Ich weiß jetzt, warum Bamberger Hörnchen niemals in die industrielle Produktion geraten werden. Sellerie ernten. Eine der zugleich schönsten und häßlichsten Pflanzen. Rindenmulch in die Ecke mit den Heidelbeeren. Ganz zum Schluss die Herbstaussaat. Feldsalat. Und ein bißchen Kresse, falls es noch ein paar Tage warm bleibt.

Der Mangold bleibt noch, ein paar Kräuter auch. Die Äpfel müssen gepflückt werden. An einem anderen Tag.

Spätzünder.

Noch nicht mal Obst, dafür aber hübsche kleine Blüten, haben meine Physalis. Exakt jetzt, Anfang Oktober. Bei allen außer mir sind spätestens im August Früchte dran. Ich ziehe die jedes Jahr schon im Winter vor und gönne ihnen die Sonnenplätze im Garten. Warum eigentlich? Klar. Das Blattwerk ist ganz hübsch. Aber das war nicht, was ich mir erhofft hatte.

Quittengelee für die Menschen zwischen Berlin und Bad Freienwalde.

Hier abgebildet ist, wie Gespräche über die Hecke weg enden. Grad lobt man noch den Duft von Quitten und beklagt die Obstlosigkeit des eigenen, zugegebener Maßen noch winzigen Quittenbaumes – schon steht die Nachbarin mit dem kompletten Quittengelee-Bausatz vor der Tür. „Ich hab was für Sie“, rief sie mir morgens zu, sie am einkaufen, ich am U-Bahn-gerade-noch-erwischen. Und abends: „Da hatten wir uns doch drüber unterhalten.“ Weil ich das unglaublich aufmerksam fand, und freundlich sowieso, habe ich mich streng ans Rezept gehalten und mal die durch-Tücher-Filtern-Variante der Saftgewinnung probiert. Funktioniert perfekt! Weil ich zu doof zum Rechnen bin, 2x 500g Gelierzucker 1:2 und nur 1400ml Quittensaft hatte, habe ich noch 100ml Apfelsaft aufgefüllt. Alles prima, schmeckt genau wie es soll. Selbst die ollen Filtertücher duften quittig! Den hangeschriebenen Zettel mit der altmodischen Handschrift heb‘ ich auf. Für immer.

Wieder was gelernt: Saatgutvermehrung.

Ich weiss jetzt, was zwischen mir und ökologischer Landwirtschaft steht: Die Abwesenheit von Zeit. Ich habe von nahezu allen Blütenständen Samenkapseln abgenommen. Die standen dann kopfüber in verschiedenen Behältnissen überall rum. Seit Juni ungefähr. Ein Strauß vertrockneter Bartnelken, der mit den Blüten nach unten in einem Kochtopf steht, sieht gar nicht mal so schön aus. Der stört auch durch einfaches Blödrumstehen. Ja klar, der Kram muss trocknen. Aber doch nicht monatelang! Als Anfang September das liebe Kind krank war, hatte ich überraschend Zeit für unsinnige Tätigkeiten wie Papier schneiden, anmalen, kleben. Hab ich gemacht. Und eingetütet, was einzutüten ging. Ringelblume, Mohn, Lupine, Bartnelke, Koriander, Hornveilchen. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Versuch macht kluch.

Gelichtet

Die Aprikose ist angewachsen, aber über ihr haben sich zwei olle Flieder zusammengerottet und den Platz für das Höhenwachstum begrenzt. Auf die Frage „Aprikose oder Flieder?“ gibt es nur eine Antwort. Den einen Flieder habe ich gefällt, den anderen stark zurückgeschnitten. Weil ihn ein Efeu fast erwürgt hat, habe ich den in weiten Teilen abgenommen. Die meisten Äste, die ich herunter geschnitten habe, waren morsch, manche tot, der untere Teil des gesamten Baumes verkahlt. Wie ich meinen Flieder so einschätze, schlägt er im Frühjahr aus wie’n junger Gaul beim Hufschmied. Sein Kumpel, der Apfelbaum, tat eben dies. Auf dessen Herbstschnitt freu ich mich auch schon ganz dolle. Nicht.

Gartenlogbuch August

Ende August wird nur noch geerntet, rausgerissen und vorbereitet für das nächste Gartenjahr. Nach und nach grabe ich die Kartoffeln aus und die Blumenzwiebeln ein. Tulpen, Krokusse, Lilien und Traubenhyazinthen habe ich schon verteilt. Die Erdbeerableger sind umgesetzt in neue Beete. Die Zuccini werfen immer noch Früchte ab, die dürfen noch ein bißchen bleiben. Die Tomaten haben allmählich kaum noch Blätter. Eine meiner alten Erdbeeren blüht unverdrossen fort. Die späten Zuckererbsen sind wider Erwarten doch noch geworden, davon ernte ich immer noch die eine oder andere. Die Cosmeen stehen in voller Blüte, auch der Lavendel zieht immer noch Bienen und Hummeln an. Die rote Bete ist raus, die meisten Möhren auch, der Kohlrabi ebenso. Die Küchenkräuter stehen kräftig und sattgrün: Pfefferminze, Rosmarin, Basilikum, Salbei, Oregano. Die neuen Bartnelken, die ich im Juni gesät hatte, sind inzwischen verpflanzt oder verschenkt. Beide Rosen machen Anstalten, ein zweites Mal zu blühen.