Archiv des Autors: Steffi

Die Lieblinge des späten Sommers.

Zwei Oma-Blumen hatte ich in diesem Sommer: Die robuste Bartnelke am Anfang, die zarte Cosmea zum Schluss. Und meine Cosmea ist genau so geworden, wie ich sie vom Oma-Hof in Erinnerung habe. Ein großer Busch, der wuchert, wo es ihm passt und aussieht, als flögen besoffene Schmetterlinge drin rum. Ich liebe die so sehr! Seit immer, eigentlich.

Rote-Bete-Eintopf.

In diesem Jahr ist die Rote Bete nicht nur aufgegangen, sondern sogar gewachsen. Was man so wachsen nennt. Die Knollen haben die Größe handelsüblicher Radieschen erreicht und sind dann so geblieben. Für Suppe völlig in Ordnung, finde ich. Die Lieblingskartoffel Linda war auch fertig. Ein paar Mohrrüben hatten die Schnecken freundlicherweise stehen lassen.

Ich habe das ganze Zeug mit einer Wurzelbürste geschrubbt und mir dafür das Schälen komplett gespart. Kleingewürfelt in Butter anbraten, Pfeffer und Salz drüber, mit Wasser aufgießen und kochen lassen, bis die Kartoffeln gar sind. Kurz den Pürierstab reinhalten, wer Suppen lieber sämig mag (ich, zum Beispiel). Mit einem Klecks sauerer Sahne servieren. Wenn ich richtig gezählt habe, sieben Zutaten. Simplify your Abendbrot. Ich mag das.

Constanze Guhr: Mein wunderbares Gartenbuch

Es ist eigentlich ein Winterbuch, das Constanze Guhr da geschrieben und überreichlich mit Collagen, Zeichnungen, Bastelbögen und Fotos ausgestattet hat. Der Winter ist die Zeit des Pläneschmiedens. Der Garten erholt sich von uns, wir erholen uns von ihm. Aber nicht lange können wir so untätig sitzen. Also überlegen wir, planen, wälzen Kataloge, bestellen dies und das. Wir lesen Gartenbücher als Zeichen unserer Vorfreude und unseres guten Willens, im nächsten Jahr alles besser zu machen. Das ist der Moment, für den „Mein wunderbares Gartenbuch“ gemacht wurde.

Es regt an, einfach mal etwas zu probieren – etwa, einen eleganten Komposthaufen zu bauen. Oder auch hinzunehmen, was man nicht ändern kann. Den Maulwurf. Es ist, obwohl das drauf steht, kein Ratgeber im herkömmlichen Sinne. Constanze Guhr erklärt nicht, wie man Obstbäume schneidet. Sie schubst uns nur auf den richtigen Weg: Lern das mal, denn Du möchtest das wissen! Es gibt Kurse dafür, es gibt Baumschulen. „Mein wunderbares Gartenbuch“ zeigt, welche Betätigungsfelder ein Garten eröffnet. Beim Rasenmähen singen wäre mir vermutlich nicht eingefallen. Oder einen Abendsitzplatz zu gestalten. Ich weiß, seitdem ich das las, dass ich gerne einen hätte. Es sind Rezepte dabei, Bastelkram, Spiele, Bauanleitungen, Gartenwissen – alles zusammen eine Anstiftung, die Stunden draußen zu genießen.

Das Buch orientiert sich deshalb auch nicht an den Jahreszeiten, sondern an Themen und Tätigkeiten. „Anfangen im Garten“ hilft nicht nur Neugärtnern, es fasst die Fragen zusammen, die sich in jedem Frühjahr stellen. Ein Blumenkapitel ist enthalten, eines über Gemüse, Kräuter, Obst, Gartentiere. Aber eben auch eines über Kinder im Garten, draußen essen und schöner leben.

Das Blog zum Buch war eine zeitlang sehr still, wird aber offenbar weitergeführt. Der Besuch lohnt sich. Das Buch auch.

Constanze Guhr: Mein wunderbares Gartenbuch
100 Ideen für mehr Gartengenuss
Gerstenberg 2011
19,95 EUR

Apfelmusvariationen.

„Musste zwei, drei Nelken ran machen beim Kochen“, hat mein Hausmeister gesagt. Daniel ist nicht nur Hausmeister. Er ist auch die Art von Koch, bei dem ich sogar Jägerschnitzel ostdeutsch (sprich: panierte Jagdwurst) als Delikatesse verspeise. Schlicht, weil sie es sind. Wenn Daniel also sagt: „Nelken müssen!“, dann müssen Nelken. Ich stecke drei Nelken in ein Teesieb. Pürieren möchte man die ja nicht versehentlich. Rauchen vielleicht, oder Zahnschmerzen betäuben. Essen aber keineswegs. Also Teesieb. So eins, das wie eine Zange aussieht. Ach, ihr wisst schon. Die Teesiebzange werfe ich in den Topf mit geschälten, klein geschnippelten Äpfeln und fülle ihn zur Hälfte mit Wasser auf. Ich mahle Vanille darüber. Zimt. Zucker. Ich schüttle die Zuckerpackung. Eine grüne Pappschachtel. Fair gehandelter Rohrzucker. Im Prinzip prima, nur sieht man zu spät, wenn’s alle ist. Es ist alle. Genau jetzt. Schade, dass die Äpfel schon kochen. Schade, dass die Äpfel eher säuerlich sind. Im Obstkorb liegen Zitronen, Pampelmusen und zwei sehr reife Bananen. Schlimmstenfalls wird’s wie das Babyfutter vom Kronsohn schmecken, denke ich, pelle die Bananen ab und werfe sie stückweise in den Topf zu den Äpfeln. Statt dessen ist es einfach sehr gutes Apfelmus mit einer interessanten Note geworden.

Solltet ihr Etiketten brauchen:

PDF 9x Apfelmus mit Banane
PDF 6x Apfelmus klassisch

Mit Gold.

Na, Gold stimmt nur fast. Goldruten heißen sie, die gelben Puscheldinger da, die wie Staubwedel aussehen. Aber Gelb ist mir im Grunde viel lieber. Diese da sind wieder aus’m Hausmeisterbeet, aber eine hat sich auch bei mir im Garten angesiedelt. Jetzt, wo ich sie kenne, werde ich ein bißchen auf sie achten.

Pankower Gartensuppe.

Unlängst hat mir eine Puppenspielerin die Geschichte von der Steinsuppe erzählt. Na gut – in Wahrheit hat sie sie meinem Kind erzählt. Aber ich habe viel lauter gelacht! Steinsuppe beginnt mit einem Stein und Wasser im Suppentopf. Dann kommt dauernd wer vorbei, der es besser weiß, und fügt der Suppe etwas hinzu. Am Ende ist der Stein zwar immer noch nicht weich, aber die Suppe ist ein fröhliches Allerlei und schmeckt hervorragend. So eine Art Suppe habe ich heute gekocht, bloß ohne Stein. Ich hatte keinen. Dafür mit

Kartoffeln,
Kohlrabi,
Mangold,
Wachsbohnen,
Mohrrüben,
Tomaten,
Zuccini und
Suppengrün.

Nichts davon war genug für ein eigenes Gericht, aber alles zusammen schmeckt überraschend gut.

Gemüse putzen, würfeln, mit Pfeffer und Salz kochen. Wem das zu vegetarisch ist: Speckwürfel auslassen, darin Mehl anschwitzen, mit der Gemüsebrühe ablöschen. Ein Schluck Schlagsahne kann dazu, muss aber nicht. Das Gemüse wieder dazugeben. Fertig! Passt gut zum Ende vom Sommer, zum Anfang vom Herbst und immer dann, wenn grad Gemüse übrig ist.

Wunsch- und Wirklichkeitsliste.

Ich schreibe seit einer ganzen Weile an einem Wunschzettel der Pflanzen, die in meinem ausgedachten Garten wachsen müssten. Wenn ich allen Platz des menschenleeren Mecklenburg hätte. Wenn ich ein Gewächshaus führte. Wenn ich mehr geschützte Sonnenplätze hätte. Einen Wandelgang und ein paar Spaliere am Schuppen. Einen Schuppen. Ausgedachter Garten halt.

Ein paar der Pflanzen dieser Wunschliste haben trotzdem in meinem wirklichen Garten Platz gefunden. Weil sich etwa herausstellte, dass die im Halbschatten durchaus nicht unglücklich sind. Oder weil es sie grad gab. Weil sie wider Erwarten nicht eingegangen sind. Weil sie bei Nachbars über waren. Manche habe ich gerade erst gepflanzt, da kann ich erst nach dem Winter mit Gewissheit sagen, ob sie bei mir bleiben. Kann sein, sie stehen am Ende doch auf der unteren Liste. Aber ich möchte es wenigstens versucht haben.

Wirklichkeit:

(x) Lavendel
(x) Herbstanemone
(x) Cosmea
(x) Sonnenauge
(x) Ringelblume
(x) Stockrose
(x) Korkardenblume
(x) Mädchenauge
(x) Nelkenwurz
(x) Tränendes Herz
(x) Walderdbeere
(x) Zuccini
(x) Phlox, 11.8.2014
(x) Hortensie, 11.8.2014
(x) Montbretie, 24.8.2014
(x) Pfingstrose, 24.8.2014
(x) Kugeldistel, 24.8.2014
(x) Wegwarte, 27.8.2014
(x) Kugeldistel, 27.8.2014
(x) Japan-Herbst-Anemone ‚Honorine Jobert, 27.8.2014
(x) Schachbrettblume, 27.8.2014
(x) Heidelbeeren Bluecrop und Goldtraube, 28.8.2014

Wunsch:

(-) Salat: Schneckenfutter
(-) Rittersporn: versucht und gescheitert
(-) Margarite: nirgends gesehen
(-) Nelke: zugelaufen, abwarten
(-) Löwenmaul, versucht und gescheitert
(-) Ramblerrose: Platzmangel
(-) Schafgarbe, weiß & gelb: noch nicht drum gekümmert
(-) Mohn: versucht und gescheitert
(-) Kornblume: versucht und gescheitert
(-) Sonnenblumen: Schneckenfutter :(
(-) Dill: Schneckenfutter
(-) Akelei: noch nicht versucht
(-) Clematis: versehentlich ausgerissen, für mich ungeeignet
(-) Mandelröschen: Schneckenfutter
(-) Kürbis: sollte ich aufgeben, kann ich aber noch nicht

Véronique Witzigmann: Das Marmeladenbuch

Ich besitze nur wenige Rezeptbücher, denn der sinnlichen Erfahrung Essen werden sie mehrheitlich nicht gerecht. Sie sind entweder nicht appetitlich gestaltet, zu kompliziert in der Durchführung oder ich habe die Zutaten gerade nicht zur Hand. Ich verarbeite, was in meinem Garten so anfällt, oder in den Gärten anderer Leute. Wozu mir nichts einfällt, das kommt in den Rumtopf. Wofür ich zu faul bin, das kommt auch in den Rumtopf. Die Erntezeit ist fast vorbei, mein Rumtopf ist groß und schwer, es passt auch langsam nichts mehr rein.

Die Äpfel, die jetzt reif werden, die Birnen, Quitten, Pfirsiche – soviel Rumtopf schafft kein Mensch. Das Marmeladenbuch von Véronique Witzigmann kam mir da gerade recht. Ein hübsches, schmales Buch im klassischen Insel-Bücherei-Stil. Ich nehme es mit in den Garten, setze mich auf die Bank und schlage Seite 80 auf: Der Apfel. Mit Tomate und Thymian, zum Beispiel. Erfreulicher Weise wächst beides neben meinem Apfelbaum. Genau jetzt.

Den Rezepten vorangestellt ist ein allgemeines Kapitel, in dem die wichtigsten Grundsätze des Einkochens erklärt werden. Wie man Einweckgläser sterilisiert, wie Gelierzucker funktioniert, welcher Fruchtaufstrich wie lange haltbar ist und was eigentlich Pektin ist. Am Ende des Buches hilft ein Register, dem vorhandenen Obst ein passendes Rezept zu finden.

Für ungefähr jedes Obst meines Garten gibt es mal schlichte, mal aufregende Marmeladenvarianten. Erdbeeren mit rosa Pfeffer – oder wie gewohnt mit Rhabarber. In der gartenobstlosen Zeit kann sich, wer möchte, an den Exoten versuchen: Mangos, Lychees, Bananen, Ananas oder Passionsfrüchte. Alle Rezepte sind übersichtlich dargestellt und verständlich beschrieben. Marmeladekochen mit Véronique Witzigmann ist ein bißchen mehr als Obst kleinschneiden, mit Gelierzucker auffüllen und 3 Minuten kochen – aber auch nicht so schwierig, dass mich schon beim Lesen der Mut verlässt. Alles klingt machbar, und ich möchte mir dauernd Marmeladenstullen machen.

Daran hat die Illustratorin Kat Menschik einen nicht geringen Anteil, die auch den Umschlag gestaltet hat. Das Obst auf ihren Zeichnungen sieht so saftig aus, die Gewürze duften so verführerisch, dass man riechen und schmecken kann, was für eine Marmelade das gibt.

Für Himbeeren mit weißem Pfirsich ist es in diesem Jahr schon zu spät, auch Schwarzkirschen mit frischer Minze müssen wohl bis zum nächsten Sommer warten. Aber Apfel mit Walnuss schaffe ich sicher noch. Ich freue mich sehr darauf!

Véronique Witzigmann: Das Marmeladenbuch
Insel Verlag Berlin 2014
16,00 €