Archiv des Autors: Steffi

Blumen für die Damen.

Mein Hausmeister sagt, ich soll die Rabatte ruhig leer pflücken. Denn ohnehin beabsichtige er einen Kahlschlag. „Aber die Herbstanemonen!“, jaule ich. „Ich brauch‘ die nicht. Ihr Frauen wollt doch sowas immer haben. Nimm mit!“, entgegnet mein Hausmeister.

Es ist nicht so, dass er ein Feind der Pflanze ist. Und obwohl er bestreitet, dass Männer Blumen brauchen, und er schon gar nicht, kümmert er sich darum, dass immer welche da sind. Eigenhändig hat er eine japanische Zierkirsche gepflanzt und pflegt sie mit Hingabe. Damit wir uns recht verstehen: Eine japanische Zierkirsche kann überhaupt nichts. Sie trägt bloß ein rosa Blütenschaumkrönchen, im Frühjahr.

Mein Hausmeister hat’s einfach gerne aufgeräumt auf dem Gehöft. Über den Sommer ist der Frauenmantel verblüht, der Schachtelhalm über die Ufer getreten, die Zierquitte hat den Gehweg erobert. Dazwischen siedeln die unglücklichen Anemonen. Ich pflücke wie geheißen einen Strauß und hoffe zugleich, dass die Aufräumarbeiten doch noch ein bißchen auf sich warten lassen.

Neu im Garten.

Ich hatte mir Phlox gewünscht. Hortensien sowieso. Aber dass ich Montbretien brauchen würde, war für mich auch eine Überraschung. In dem Blumenladen an der U-Bahnstation, den ich noch nicht mal wirklich leiden kann, standen sie. Ich konnt‘ die da nicht lassen. Schmales, langes Blatt wie eine Lilie (hat seine Richtigkeit, gehört zu den Schwertliliengewächsen). Flammende Blüten, gelb und orange, zweizeilig angeordnet. Eine elegante Dame in meinem Bauernbeet. Hoffentlich knallt ihr kein Appel uff’n Kopp. Aber was für’ne Schönheit!

Der schöne Strauß

Viele wird es dieses Jahr nicht mehr davon geben, und buntere ganz sicher nicht. Lavendel und Cosmeen, Strohblume, Herbstanemone, Ringelblume, Schleierkraut, Sonnenhut , Mädchenauge und Sellerie. Wer die hellgelbe Blume kennt: Ich wüsste gerne, was das ist!

Gartenlogbuch Juli

Nur kurz nicht da gewesen, schon ist mir ein kleiner Urwald gewachsen. Ohne die pflegende Hand meiner Gartennachbarin gehörte mir statt dessen vermutlich jetzt eine Wüstung. So aber blüht mir allerhand, und die Tomate namens Harzfeuer wird rot und immer roter. In die Cosmeen bin ich ganz verliebt. Aber was die Herbstanemonen jetzt schon wollen … so geht´s ja nicht, ey! Aus was soll ich denn Sträuße machen, wenn es wirklich Herbst wird? Mein hervorragender Blecheimer sieht aus wie ein Dekoartikel aus „Der schöne Garten“, die Bartennelkensaat ist aufgegangen. Die Aprikose – ein Einzelstück übrigens – heisst Ungarische Beste. Mal sehen, ob sie auch so schmeckt.

Mein Rumtopf enthält unterdessen Erdbeeren, roten Johannisbeeren, Sauerkirschen, Brombeeren und Blaubeeren in 2 Flaschen Havanna Club.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (23)

Kurz nach sieben. Die Handtücher draußen auf der Leine sind klamm. Tau gegen Morgensonne. Tau gewinnt. Ich gehe zum Steg runter. Die Füße ins Wasser, das Skizzenbuch auf dem Schoß. Der Frühnebel zieht eben weg. Vom Zeltplatz kommen Leute, erst die älteren, danach gleich die Familien. Alle wollen noch schnell schwimmen gehen, bevor der Tag anfängt. Die Kinder springen ins Wasser. Mit Anlauf. Der letzte Sommerferientag. Morgen früh werden die Gäste ausgetauscht, morgen früh müssen wir packen und nach Hause zurück. Deshalb muss heute länger dauern als sonst. Deshalb muss heute einfach früher anfangen. Ehrlich, ich kann die Leute gut verstehen, die morgens um sieben schwimmen gehen.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (22)

An der Fähre wartet eine Gruppe Radfahrer. Da muss er zweimal fahren, denke ich. Aber der Fährmann bringt sie tatsächlich alle mit Rädern und Gepäck in der kleinen Fähre unter. Die liegt etwas tiefer als sonst, zuckelt aber gemächlich an ihrem Zugseil über das Wasser. Nur der Bootshund muss draußen bleiben. „Naja, heute haben wir viel zu tun, aber in vier Wochen ist hier kein Mensch mehr.“ Der Mann im Fährhaus gießt mir Kaffee ein. Der Bootshund wedelt mit dem Schwanz. „Wenn die Ferien vorbei sind, sind wir wieder fast alleine.“ Ich bin unsicher, ob er das bedauert oder sich darauf freut.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (21)

Bevor ich zurück muss, sehe ich aus allen Fenstern. Wie die Häuser stehen, und wo die Bäume: Ich lerne das auswendig. Der Kirchturm am Ende der Straße, dahinter schon die Felder. Es werden gerade, erzählt die Nachbarin, zwei neue Hofeinfahrten gebaut. Leute ziehen her. Vielleicht bleiben sie. Auch wenn ich glaube, dass das Dorf nur im Sommer lebt.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (20)

Wir haben die Feuerstelle nie benutzt. Sie sieht wie eine Rakete aus. Eine Trickfilmrakete. Auf einem Kinderteller. Jeden Sommer fahren wir hier her und denken, wie schön sie ist, und dass wir mal Feuer anmachen müssten. Jetzt zum Beispiel ist es uns zu warm für Feuer. Gestern hat es geregnet. Mal fanden wir es auch zu windig. Dann wieder kamen wir zu spät heim, oder es war erst mittags und also zu früh. So geht das seit Jahren. Ich weiß nicht, ob wir es jemals schaffen werden.