Archiv des Autors: Steffi

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (19)

Und plötzlich steht da das Haus. Mein Haus. Zwei Linden davor, und eine Schneebeerhecke. Das Dach bemoost und ausgeflickt. Gardinen hängen in Bögen grau hinter dem Fensterglas. Windschief das kleine Tor, dahinter eine geschnitzte Eingangstür. „Ist nicht zu verkaufen“, sagt ein Mann im Vorbeiradeln. „Macht gar nichts“, entgegne ich. „Ich zeichne es nur, dann kann ich es mitnehmen.“

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (18)

Hinter dem Haus beginnt der Wald. Ein steiniger Weg, ein kleiner See. Auf dem Steg sitzen Vater und Sohn und halten die Füße ins Wasser. Der Abend ist gut zu uns. „Papa?“, fragt der Sohn. „Wo geht die Sonne hin, wenn sie untergeht?“ Ich lege meine Zeichenstifte weg und schwimme raus. Dahin, wo die Sonne untergeht.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (16)

Wir haben die Boote umgesetzt. Sieht immer so leicht aus, wenn das die Jungs von Bootsverleih machen. Die arbeiten in kurzen Hosen, ihre Haut ist dunkel, die Haare hell. Alles, was sie machen, sieht leicht aus. Sie lächeln dabei, sogar der Bootshund lächelt. Boote sind nicht leicht. Vor allem nicht, wenn sie über die Straße getragen werden müssen. Wir haben eine Pause gebraucht, danach. „Bratwurst und Bier um die Ecke hinter der Hecke“ stand auf der Tafel am Bootssteg. Ein kleiner Garten. Ein Grill, ein Kühlschrank, ein paar schattige Sitzplätze. So einfach kann es sein.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (15)

Auf der Wiese hinter dem Tor mäht ein Mann im Unterhemd mit einer Sense. Das können nur noch wenige. Ein bißchen Hasenfutter vielleicht, er mäht nicht viel, haut nur drei, viermal in die langen Halme, schiebt zusammen, nimmt mit. Zwei Jungen kommen und spielen Fußball vor dem anderen Tor. Ein dritter mit Hund gesellt sich dazu. Er grüßt höflich zu mir rüber. Nicht „hi“ oder „hallo“. Er sagt: „Guten Tag!“

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (14)

Kleine Städte, die nicht viel haben. Platt gemacht. Plattenbau. Aber ein Heimatmuseum. In einer Windmühle drin. Die steht da schon hundertzwanzig Jahre, und die wird auch nochmal so lange stehen. Ihr sind die Flügel abhanden gekommen. Jetzt spart die Stadt für neue. Bis dahin können wir uns erinnern lassen, wie alte Schlittschuhe aussehen, ein Waschbrett, gerüschte Unterbuxen mit Monogram, ein Spinnrad und Geschirr. Heimat eben.

Wir klettern bis ganz nach oben und denken, dass Müller ein guter Beruf für kleine, zierliche Menschen ist, die gut klettern können. Eng sind die hölzernen Stiegen, etwas wurmstichig auch.

Ganz unversehrt ist die Mühle daneben. Die könnte, steht auf dem Schild, noch mahlen, wenn man sie ließe. In ihrem Hof steht ein Pflaumenbaum, und die Pflaumen sind schon reif.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (13)

Der Uferweg um den Luzin ist schmal, aber schattig. Hohe Buchen stehen am Rand. Ein paar Eichen. Wilde Brombeeren. Fast keine Pilze. Der Weg raschelt, so trocken ist es. Gelegentlich liegt ein Baum quer und reißt eine Lichtung in den Waldsaum. Wir steigen über ihn weg oder darunter durch, je nachdem. Immer schimmert auf der anderen Seite das Wasser, mal blauer, mal grüner. In den Baumschatten unter der Wasseroberfläche verstecken sich Fische. Die stehen ganz still, während wir vorüber gehen.

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (12)

Der Fährmann hat nicht nur Kaffee und Kuchen und kühle Pilse. Er erzählt auch Geschichten, an Dienstagabenden. Er fährt mit seiner Fähre raus auf den Luzin und erzählt. Er fährt zurück zum Bootshaus und erzählt weiter. Wenn er fertig erzählt hat, steigen die letzten Gäste die 104 Stufen zum Parkplatz hoch, winken noch einmal runter zum Luzin und fahren nach Hause. Irgendwann möchte ich das auch mal machen, bitte!

Schönen Urlaub, liebe @klappstulli! (10)

Es geht 104 Stufen runter zum Fährmann, hat das große Kind gezählt. Vom Parkplatz mitten im Wald bis an das blaugrünste Wasser. Der See liegt tief, die Bäume neigen sich ihm entgegen. Wir wandern am Ufer entlang zu der Badestelle mit der Tarzanschaukel. Wir werfen uns ins kalte Wasser, nochmal und immer wieder. Auf dem Rückweg möchte das kleine Kind getragen werden. Als wir ankommen, hat der Fährmann Kaffee und Eis und Himbeersahnetorte für uns.