Archiv der Kategorie: für draußen

Tach, kleine Blume!

Schneeglöckchen sind das Erfreulichste, was der der Februar so im Gepäck hat. Die wachsen, ohne dass ich sie je gepflanzt hätte, ganz von selbst in meinem Garten. Der Schnee schmilzt, und beim Müll runterbringen stehen sie plötzlich vor mir an der Hecke. „Tach, wir sind jetzt da! Wann kommen denn die anderen?“ Schneeglöckchen sind toll.

Wintergarten

Wintergarten

Ab morgen, sagt der Mann, werden die Tage wieder länger. Wie er das so sagt, vermisse ich den Winter. Der sollte jetzt sein. Heute, morgen, übermorgen. Ich war eben im Garten. Aber nee, kein Winter da. Die Primel hat zwei frische, gelbe Blüten. Das Geißblatt hat offenbar nie aufgehört zu blühen. Selbst die Strohblume trägt noch rosa. Nur der Strauch, dessen stachelige Blätter überall auf der Weihnachtsdekoration drauf sind, verhält sich vorschriftsmäßig. Wie hieß der noch gleich?

Das Vogelfutterhaus habe ich vorsichtshalber aus dem Keller geholt. Gefüllt ist es noch nicht. Kein Frost, keine Schneedecke. Die Piepmatzbande kommt klar, schätze ich.

Cosmea Orange

Gerade geschenkt bekommen: Meine Lieblingsblume in einer Farbe, in der ich sie noch nie gesehen habe. Cosmeen sind sonst weiß, rosa oder kräftig pink. Diese hier ist eine Seltenheit, und ich hoffe, sie wird groß und schön und blütenreich. Dankeschön!

Statt Land: Fluss. Der Volkspark Rehberge

Nur schnell einen Schluck Landschaft, dachten wir. Ein bißchen Weite zum Schweifen. Einmal durch´s Laub rennen, bevor der Berliner Premium-Herbst vorbei ist. Keine Zeit, die Stadt zu verlassen. Keine Lust, zuhause zu bleiben. Fluss wäre schön, Kanal ginge auch. Ein See vielleicht?

Der Volkspark Rehberge im Berliner Wedding ist wie der Stadtforst der nächstgelegenen Kleinstadt. Mittendrin stehen doppelt eingezäunt ein paar Mufflons und ein bißchen Federvieh, am Kanal wird geangelt und im Stadion läuft ein Bezirksligaspiel. Dazwischen sind Alleen mit Bäumen so hoch, dass kein Himmel mehr bleibt, wilde Wiesen und jede Menge Bänke. Die Kleingärten drum herum sind je nachdem, wie man selbst ist, entweder spießig oder eine Ansammlung lustiger Einfälle, weitgehend aber zwergenfrei.

Volkspark Rehberge

Für die Ausflugsplanung:

Volkspark Rehberge
Windhuker Straße 52A
13351 Berlin

Bus 221 (Haltestellen: Transvaalstraße oder Otawistraße)

Gartenlogbuch Oktober

Die letzten Äpfel sind gepflückt. Zinnien und Strohblumen tragen immer noch Blütenknospen. Drei Kürbisse haben angesetzt, aber reif werden sie wohl nicht mehr. Wie im letzten Jahr erstaunen mich die Himbeeren, die ich schon im Juli abgeerntet glaubte. Verblühende Hortensien sehen schön aus. Das hatte ich vergessen. Die Vergissmeinnicht für´s nächste Jahr stehen glänzend und dicht. Dieses Jahr war das erste mit Basilikum. Gestern geerntet, Pesto draus gemacht, sofort und ohne Reste verspeist. Eine späte Sonnenblume hat sich noch blicken lassen und steht jetzt in einem Blumenstrauß. Außerdem ist der halbe Apfelbaum ausgelichtet. Das sieht aus wie eine halbfertige Frisur, aber mehr habe ich nicht mehr geschafft.

Großer Mist!

Ich wusste, ich würde allmählich düngen müssen. Der Boden ist irgendwann erschöpft. Er musste viel leisten, in den letzten beiden Sommern. Ich wollte ihm etwas Gutes tun. Eine dampfende Fuhre Pferdemist – klingt blöd, aber einen ausgelaugten Gartenboden freut sowas.

Pferdemist im Stadtgarten macht zwei Sorten von Sorgen. Zunächst ist da die Sorge um das bisher durchaus gute Verhältnis zu den Nachbarn. Wir reden von Mist in einer nicht geringen Menge. Die zweite Sorge geht in Richtung Beschaffungskriminalität. Fast so schwer wie Gartenabfälle in der Stadt zu entsorgen ist es, ebendort eine Fuhre Mist aufzutreiben. Da, wo der Stadtgarten ist, stellt kein vernünftiger Mensch ein Pferd hin.

Ein drittes Jahr mit zu späten, zu kleinen, zu grünen Kürbissen wollte ich andererseits auch nicht. Ich habe mich durchgefragt und allen Besuchern meines Gartens von den Wundern organischer Düngung vorgeschwärmt. Kann ja gar nicht sein, dass niemand weiß, wo man einen Haufen Mist herbekommt.

garten-02

Ich erwähnte also fast schon gewohnheitsmäßig mein Beschaffungsproblem, als mein Freund und Nachbar Jan vorbeikam. Eigentlich, um mir mit dem Baumschnitt zu helfen. „Wenn´s weiter nichts ist! Warte, ich ruf kurz meinen Bruder an, wann wir kommen können.“ Vor Freude schnitt ich den Flieder gleich noch ein bißchen kürzer ab.

Dann kaufte ich die größten und stabilsten Müllsäcke, die es gibt. Denn ich verfüge weder über einen Anhänger noch hat mein Auto eine Anhängerkupplung. Wir würden den Mist im Kofferraum transportieren müssen. Das klingt erstmal nach „zwei Männer tragen eine Glasscheibe über die Straße“. Es funktioniert, wenn die Säcke nur halbvoll sind. Mist ist schwer.

Der beste Ehemann der Welt setzte sich an meiner Stelle mit ins Auto, holte gemeinsam mit Jan einen Kofferraum voller Pferdemist, lieh anschließend die Hausmeisterkarre aus und stellte mir sieben blaue Säcke feinsten Mist ohne Stroh in den Garten. Noch warm. Vergiss Blumen und Pralinen! Ich staune manchmal selbst, womit man mir eine Freude machen kann.

Auch meine erste Sorge, die um den Geruch, war unbegründet. Pferdemist stinkt nicht, und reißfeste Müllsäcke sind reißfest.

Ich habe das alles schön gleichmäßig im Garten verteilt. So, Kürbis: Und jetzt kommst du!

Pilzefinden.

Das kleine Kind findet Wald doof. Es findet Pilze suchen doof. Es kann Spazierengehen nicht leiden. „Ich warte lieber im Auto auf euch.“ Das lassen wir das Kind nicht. Findet es erst recht doof. Dafür freut es sich über einen Fliegenpilz. Weil: Den kennt es. „Mama, da ist ein Fliegenpilz!“ In den Wäldern aller seiner Kinderbücher wachsen Fliegenpilze. Bei Axel Scheffler manchmal auch Braunkappen, aber Pfifferlinge, Schirmpilze, Butterpilze – nirgends. Bücher voll mit Fliegenpilzen. Und dann steht da Gottseidank endlich ein einziger Fliegenpilz im Wald, und das Kind freut sich, weil es seinen Namen sagen kann. Fliegenpilz. Das ist doch was anderes als diese blöden „Baronen“, von denen die Eltern immer erzählen. Wenn’s die wirklich gäbe, wären die ja wohl auch in einem Buch drin.