Archiv des Autors: Steffi

Spitzkohl mit Apfel.

Ich hatte Kohl probiert, dieses Jahr. Brokkoli, Kohlrabi, Spitzkohl. Ich wollte wissen, ob die wachsen. Frisch gepflanzt sehen sie ganz gleich aus. Irgendwann wird was Richtiges draus. Der Brokkoli war so gut, dass ich einen Nebentrieb ausblühen lassen habe. Brokkolianbau wird forciert. Kohlrabi geht immer, den kaufe ich im Frühjahr. Heute habe ich den ersten Spitzkohl mit dem ersten Boskop-Apfel geschmort. Seitdem überlege ich, wo ich Platz für mehr Spitzkohl finde. 

Das Rezept geht so: Etwas Butter in der Pfanne schmelzen lassen, den Spitzkohl klein geschnitten dazu. Einen Apfel schälen, entkernen und in Streifen schneiden. Zum Spitzkohl in die Pfanne geben. Mit Pfeffer und Salz würzen. Mit Apfelsaft ablöschen. Schmoren, bis der Kohl so bissfest oder matschig ist, wie du ihn gut findest.

Tag der Heckenpflege.

Schon früh um acht, vor dem ersten Kaffee, wollte ich raus auf den nebelfeuchten Hof. Meine Ligusterhecke stand im Begriff, sich mit der auf der anderen Wegseite zusammenzuraufen und niemals wieder jemanden passieren zu lassen. Im Rasen knöchelhohen Rasen war Kinderspielzeug eingewachsen. Die Beetumrandungen hatte ich länger nicht gesehen. Um acht ist vielleicht doch zu früh für Hoflärm, dachte ich, kochte Kaffee und bummelte so rum. Um neun frug ich nach Werkzeugen, Kabeln und Gerätschaften – und war um zehn nicht die erste im Garten. Nachbar Jens rasierte eben die Thuja. Ich warf den Rasenmäher an. Kurz darauf stand Rainer im Hof. Hecke. Ab elf gab es kein motorenbetriebenes Gartengerät mehr, das nicht lief. Gegen zwölf kam unser aller Hausmeister vorbei und lobte unsere Werke. Wie die Adolf-Hennecke-Aktivisten, meinte Nachbar Jens. Es gibt ja so Tage.

Ein Jahr weiter denken.

Die Zwergsonnenblumen, die geschenkt gekriegten, haben noch Blüten und Knospen. Die sind noch nicht fertig. Solange ist noch ein Rest Sommer im Garten. Ja, bißchen mickrig, und manchmal beißen verzweifelte Schnecken rein, die auch noch nicht … Na, was Schnecken im Herbst halt so machen. Weiß nicht, Eier legen? Winterschlaf? Sterben? Machen sie halt nicht. Sie fressen Sonnenblumenblüten. Meine! Weil das aber nicht ewig so gehen kann, habe ich die Samenkapseln der Jungfern im Grünen eingesammelt. Und die Schoten, die ausgeblühter Brokoli trägt. Mal sehen, ob was draus wächst. Nächstes Jahr.

Neu im Garten: Honorine Jobert

Von Zeit zu Zeit schreibt mir meine Baumschule. Manchmal möchte sie wissen, wie es den Pflanzen geht, die sie mir überantwortet hat. Was macht denn die Honorine Jobert?, fragte sie neulich. Und icke so: Hä? 

Honorine Jobert ist eine weiße Herbstanemone. Ich habe sie im letzten Herbst gepflanzt. Tja, dachte ich. Was macht die eigentlich? Ich war im Urlaub und konnte nicht nach ihr sehen.

Kaum zurück, stapfte ich in meinen Garten. Eigentlich, um ein paar Kartoffeln auszugraben. Eine weiße Blume hatte sich im Schatten der Kugeldistel angesiedelt. Die hatte ich noch nie hier gesehen. 

Mir fiel die Post von den Baumschule ein. Zur Sicherheit habe ich sogar das Bild vom Bestellzettel mit der weißen Schönheit im Garten verglichen. Tatsache. Honorine Jobert. Wie gemalt. Tolle Blume! Gerne wieder.

Von Mechow nach Beenz

Mechow besitzt vier Ortseingangsschilder. Ich vermesse das Dorf. Zwanzig Minuten brauche ich, um alle vier zu sehen. Jedenfalls dann, wenn ich nicht mit dem alten Mann in dem blauen Arbeitsanzug bespreche, welches ein geeigneter Platz zum Zeichnen ist, oder ob sich ein Kilo Mirabellen für Marmelade lohnt. Er hat immer Einwände für mich, manchmal auch Zweifel. Er wohnt nämlich hier, gleich vorne an der Kirche. Ich dagegen bin nur zu Besuch.

Vom Hauptmannsberg zum Hullerbusch.

Zweimal bin ich diesen Weg hoch gelaufen. Gestern waren die Steine übereinander gestapelt. Steinmänner. In den Alpen gibt es die. Jemand ist den selben sandigen Weg gegangen, der gestern vor mir lag, fand reichlich Steine und genug Zeit, sie auszubalancieren. Schöne, glattrunde Steine. Schöne, glattrunde Steinmänner. Zwei Stück, wie die Pfeiler eines Torwegs. 

Heute waren die Steinmänner weg. Ein zweiter Jemand kam vor mir meinen Sandweg entlang und fand, das ginge so nicht. Die beiden Steinhaufen, die jetzt da liegen, sehen immer noch wie Pfeiler eines Torwegs aus. Rechts davon grasen Ziegen und Schafe.