Archiv der Kategorie: für draußen

Gute Nacht, @klappstulli! (37)

„Jetzt kann ich endlich das Feuer knistern hören“, sagt Daniel. Es ist ruhig geworden am Eintopf-Ofen. Ein Kronkorken, ein Zischen. Hinten, wo die Bewegungsmelder das Licht anschalten, sind die Kinder mit ihren Laufrädern.

Daniel hat Kesselgulasch gekocht, und angelockt vom Feuer kamen wir einer nach dem anderen in den Hof. Eigentlich nur, um Altpapier oder Flaschen runterzubringen. Um Guten Tag zu wünschen oder ein frohes neues Jahr.

Meine Haare riechen nach Rauch, mir ist von innen ganz warm. Der Kronsohn sagt, seine Augen sind müde. Das macht das Feuer. Ich nehme mir vor, viel öfter in die Glut zu starren.

Schneegestöber.

Mein Sommerarbeitsplatz ist verwaist. Der Apfelbaum hat endlich alle Blätter verloren, und im ersten Schnee steht die letzte Rose. Die empfindlichen Kräuter, Rosmarin und Lorbeer, tragen ihre Wintermäntel. Eins der Kinder hat übermütig seinen Schlitten heraus gekramt und schöne, parallele Spuren in die hauchzarte Schneedecke gezogen. Nicht das Schlechteste, was man an Nikolaus machen kann.

Frozen Daiquiri.

Ich dokumentiere mein Erstaunen.

Das bißchen Petersilie.

Niemand lügt so gut wie meine Mutter. Sie habe ein bißchen Petersilie im Garten, meinte sie. Ob ich welche mitnehmen möchte, wollte sie wissen. Ein Sträußchen Petersilie, dachte ich. Kräuterbutter. Jerne doch! Ich ging mit einer handelsüblichen Schere in den mütterlichen Garten. Das bißchen Petersilie stellte sich als eine zartblättrige Hecke heraus. Eine Sense wäre nicht unpraktisch gewesen. Mit einem Rasenmäher hätte ich´s gleich einfrierfertig zerkleinert. Das bißchen Salbei (5 Gläser Pesto, noch ohne Parmesan und Nüsse) erwähne ich ebenso wenig wie den Kürbis. Das war´n ganz kleiner, der hat in die Hosentasche gepasst. Wo mit Pferdemist gedüngt wird, wachsen die dollsten Sachen!

Praktisch im Vorbeigehen habe ich zwei Dinge gelernt: Keramikschilder sind witterungsbeständig. Dahlien müssen jetzt in den Keller. Und jetzt such´ ich mir ´n Töpferkurs.

Pflanzzeit!

Ich habe das Frühjahr beschimpft. Zur Strafe muss ich jetzt den Herbst loben. Was ich über den Herbst aus Mangel an Gelegenheit für dieses Wissen eben nicht wusste: Er ist die allerbeste Pflanzzeit. Zu kalt, hätte ich vermutet. Nee, schreibt mir meine Baumschule. Jetzt geht der Spaß erst richtig los! Ja, doch, die Pflanzen haben jetzt Ruhezeit. Das heißt, kein Stress mit Sich-Blätter-Wachsenlassen, Rumblühen oder Früchte tragen. Genau jetzt hätten sie Zeit und Muße, so richtig schön fest anzuwachsen. Ferien. Nichts Besseres zu tun. Einfach den Boden vorbereiten, schön lockern, vielleicht ein bißchen Komposterde rein mischen, vom kahlen Wurzelballen die geknickten Würzelchen entfernen und ab in die Erde mit dem Strunk. Angießen. Fertig! Als Schutz für den kleinen Setzling kann man ihn mit zusammengeharktem Laub einmummeln, schrieb die Baumschule.

Ich habe, weil es doch ein sehr überzeugendes und seltenes Obst ist, eine kleine Apfelquitte gekauft. Das täte jeder, der einmal so flaumige, aromatisch duftende Quitten für drei Euro fuffzich das Kilo in der Hand hielt. Die Nachbarn haben was von Quittenlikör gemurmelt. Wenn der nur halb so wohlschmeckend ist wie die Pflaumenschnapskostprobe, die mir neulich angetragen wurde, hat sich das Einpflanzen schon jetzt gelohnt. Etwa einen Meter ist mein Bäumchen hoch. Bis zu 50cm kann die Quitte pro Jahr an Höhe gewinnen. Mit der Herbstpflanzung hoffe ich ihr etwas Vorsprung verschafft zu haben. Ich freu mich auf die ersten Blüten!

Winterspinat.

Ich will ja nicht angeben, aber der Spinat auf dem Balkon sieht ganz prächtig aus. Während der Gartenspinat zum letzten Imbiss der Schnecken wurde, denen ich im Übrigen alles Böse wünsche, ist der Balkonspinat aufgegangen, gewachsen und möchte offenbar geerntet werden.

Die Gärten anderer Leute.

Vor seinem Haus wächst ein Baum, den mein Freund Volker Bommelbaum nennt. Sind Bommeln dran, da hat er Recht. Es hat ihn, glaube ich, maßlos enttäuscht zu erfahren, dass das nur eine ganz normale Platane ist. Meine Mutter kultivierte eine Pflanzenart, die sie „Renterblume“ getauft hat, mit der besten aller Begründungen: „Weil alte Omas die in ihren Vorgärten haben.“ In Wahrheit handelte es sich um Mandelröschen. Was Volker der Bommelbaum und der Mutter die Rentnerblume, ist mir jede Art von Ziergesträuch. Häufig und gerne sehe ich mir die Gärten anderer Leute an und freue mich über alles Gebüsch das darin blüht und Früchte trägt. Ich glaube aber, es würde den Zauber empfindlich stören, wenn ich allzuviel darüber wüsste. Deshalb sagt mir bitte nie, wie der Busch mit den lila Murmeln dran heißt! Ich finde nämlich, „Lila Murmelbusch“ ist ein prima Name.

Monster

Es möchte ein Kürbis-Monster, ließ das Kind verlauten. Es hat jetzt eins. Unser Eichhorn hat sich fürchterlich erschrocken.

Werden. Vergehen. Leuchten!

Der Herbst hat unfassbare Farben. Pink, rosa, rot und orange beherrschen den Hof, und kurz, bevor sie runterfallen, sind die Blätter am schönsten.

Einer, der das anders sieht, ist mein Sohn. Er ist mit dem Herbst nicht einverstanden. Er findet das sehr unordentlich mit dem ganzen Laub am Boden. Die Blätter gehören an die Bäume, sagt er und möchte wissen, ob ich das nicht reparieren könne. „Die wachsen wieder“, versuche ich ihn zu überzeugen. „Ganz von selbst, im nächsten Frühjahr.“ Er glaubt mir das aber nicht. Vielleicht, weil er sich „nächstes Frühjahr“ noch nicht vorstellen kann.