Archiv des Autors: Steffi

Top Pflanze! Gerne wieder.

Ich hatte mir zu Anfang meiner gärtnerischen Bemühungen Gedanken darüber gemacht, wie ich das frisch gewonnene Wissen fortlaufend archivieren und durchsuchbar halten kann. Ziemlich exakt vor einem Jahr habe ich deshalb das Moleskine Gardening Journal in Betrieb genommen. Es sollte analog sein, anzufassen mit dreckigen Gartenhänden, aufzubewahren bei den Heckenscheren. Das digitale Pendant ist mein Blog.

Es scheint nun so zu sein, dass ich mit komplett linearen Sachen nicht mehr arbeiten kann. Das Moleskine ist mir zu starr geworden. Spätestens ab Juni haben mir Seiten an einer Stelle gefehlt oder waren an anderer Stelle über, und umheften geht leider nicht. Auch ist mein persönlicher Garten eher eine Fressmeile denn eine landschaftsarchitektonische Leuchtboje. Mit vielen Rubriken konnte ich nichts anfangen. Deshalb habe ich schnell mal ein eigenes Gartenlogbuch entworfen.

Es reicht bisher nur bis März, quasi eine public beta. Drin ist alles, was ich exzessiv genutzt habe. Dazu kamen einige Dinge, die ich dieses Jahr gelernt habe. Das Format ist ein handliches DIN A5 – könnt ihr drucken, lochen, heften oder als Karteikarten ablegen. Seiten, die ihr nicht braucht, druckt ihr einfach nicht aus. Seiten, die ihr öfter braucht, druckt ihr nochmal aus. Seiten, die ihr haben wollt, die ich aber vergessen habe, schreibt ihr mir in die Kommentare. Die werden nachgeliefert. Auch Verbesserungsvorschläge werden dort gerne entgegen genommen und nach Möglichkeit umgesetzt. Wenn ihr inhaltlich beitragen wollt, Termine hinzufügen, Top Ten der Mangoldrezepte oder was euch sonst wichtig erscheint: Nur zu! Es darf ruhig ein dickes, kluges Buch werden.

Bitteschön, dankeschön und auf ein Neues!

Download als PDF (20,9 MB)

Glück. Wohlstand. Internet.

Ein gutes Jahr lang schreibe ich jetzt hier. Tatsächlich gibt es Menschen, die das lesen. Andere hören sich die Podcasts an. Es wird kommentiert und geflattrt, was das Zeug hält. Ich habe Geschenke bekommen, einfach so. Dafür ein großes Danke! Ihr seid toll.

(Wer das Bild als Karte DIN lang ausdrucken möchte: Das PDF liegt hier.)

Der Garten im Haus.

Drei Dinge, die ich neulich bei IKEA sah, bestärken mich in meiner Vermutung, dass Gartenkram eine modische Erscheinung ist. Die drei Dinge waren 1) der vertikale Küchengarten in der Möbelausstellung (ich liebäugle ernsthaft), 2) ein kleines Gewächshaus (braucht kein Mensch – ich aber) und 3) ein Pflanzenanzucht-Set für Küchenkräuter in Unterwegskaffeebechern. Noch im März hielt ich den Gartenlehrpfad, den ich da eingeschlagen hatte, für schmal und unwegsam. Saatgutkataloge. Briefwechsel mit einer Baumschule. Piepmätze zählen. Im Dezember fiel mein Blick auf Gräsmarö. Das ist, als ob dein Kind Ben oder Mia heißt, oder dein Regal Billy. Alle haben offenbar Gartensehnsucht. Die Gärtnerei war viel weniger meine eigene Idee als ich angenommen hatte. Sowas schmerzt, da kriegt die Eitelkeit Pickel und Haarausfall.

Allerdings ist die Idee eines Gartens nicht deshalb schlechter, weil ein Möbelhaus sie aufgreift. Ben und Mia sind gute Namen – egal, wie viele Eltern sich dafür entscheiden. Auch am Billy-Regal ist nüchtern betrachtet wenig auszusetzen. Demokratisches Design, steht überall. Mein Garten ist also immer noch prima. Ich befreunde mich sachte mit dem Gedanken, schon wieder keinen Trend gesetzt zu haben. Dafür wächst meine Baumarkt-Brombeere total individuell.

Gute Nacht, @klappstulli! (36)

Nicht kalt genug für Winter, aber doch winterlich dunkel. Lange und tief dunkel. Wir sind, und das ist das Beste daran, noch wach. Ich habe Kerzen angezündet. Das Kind knackt Nüsse. Gelegentlich malt es was oder sieht fern. Es ist ausgeschlafen. Der Mann knistert in der Küche herum. Es riecht nach Kohl und roter Bete. Es wird Suppe geben. Irgendwann später, es eilt nicht. Alle machen alles ganz langsam. Sogar das Kind. Es knallt viel leiser als sonst gegen den Türrahmen, liegt mal schief auf dem Sofa oder sitzt ganz still und trinkt Apfelsaft. Später zeigt es mir einen Hund in einem Trickfilm. Wir waren alle schon lange nicht so aufgeräumt.

Gute Nacht, @klappstulli! (35)

Oder einfach mal nichts machen. Bloß kurz. Zwischen den Kissen sitzen, im Rücken zwei und eins im Arm. Die Füße hoch. Wollsocken und Stille. Angelehnt, zugedeckt. Eine Leselampe, aber kein Buch. Mir gegenüber steht ein Regal. Das steht erst seit kurzem da. Es riecht noch fremd. Ich kuck die Astlöcher an, die Astlöcher kucken zurück. Das Holz wird nachdunkeln, sie werden später kaum mehr zu sehen sein. Ich muss einfach nur hier sitzen bleiben. Das ist leicht, oder?

Gute Nacht, @klappstulli! (34)

Alles ist fertig, alles ist vorbereitet, alles ist verpackt. Fertig bin ich auch, vorbereitet weniger. Ganz unfestlich sitze ich hier und glänze kein bißchen. Die Haare nicht, und die Nägel erst recht nicht. Ein graues Strickkleid wäre genau das richtige für mich. Trotzdem werde ich morgen um diese Zeit mein Kind dabei unterstützt gehabt haben, dem Weihnachtsmann „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ vorzusingen. Und wenn Disney im Weihnachtsfilm immer Schlagersänger sinngemäß „Liebe ist die stärkste Kraft von allen“ vortragen lässt, dann glaubt das ruhig. Es stimmt nämlich, egal wie sehr das Gesinge in den Ohren klingelt.

Gute Nacht, @klappstulli! (33)

Es wird vermutlich weh tun. Ich gieße trotzdem nach. Auf dem Herd steht ein kleiner Topf mit Stiel, darin brodelt Glögg. Das ist Glühwein, den gibt’s bei IKEA, und IKEA tut auch immer ein bißchen weh.

Seit sie diese Lebensmittelabteilung haben, kaufe ich keine Kerzen mehr, sondern im Winter Lakritze und Glögg, sowie Zimtschnecken zu jeder Jahreszeit. Zimtschnecken sind Kringel gewordene Glückseligkeit. Mehr Zimt will ich, überall! Als Zimtstern, als Adventskranzdekoration, als Badezusatz und im Leben.

Aber zurück zum Glögg. Auf Weihnachtsmärkten, zwischen Grünkohl und Kettenkarussell, spricht viel für ihn. Ein Freund in der Kälte, der rote Wangen macht, übermütige Laune und warme Ohren. Es ist bloß so: In meiner Küche ist kein Weihnachtsmarkt. Grünkohl ist auch schon alle. Kekse gab es gar nicht. Dieser Advent ist an mir vorbeigehuscht, flink wie ein Eichhörnchen. Ohne Schnee, ohne Weihnachtsmarkt, ohne Tannenschlagen, ohne Türchen und ohne Bäckerei. Ich bin traurig und trinke Glögg. Das soll man nicht, denn bald nun ist Weihnachtszeit. Ja doch, das wird morgen früh ein bißchen weh tun. Aber erst die zweite Tasse.

Kristina Brasseler: Träumeland.

Träumeland heißt das erste Buch der Berliner Illustratorin Kristina Brasseler. Erschienen ist es im Wimmelbuchverlag. Der hat sich auf Bücher spezialisiert hat, die auf großen Panoramen ganze Welten ausbreiten, durch die sich jeder Betrachter seinen eigenen Weg bahnen kann.

Kristina Brasseler

Kristina hat in Würzburg Kommunikationsdesign studiert und anfangs vor allem im Bereich Grafikdesign gearbeitet. „Ich dachte immer, ich zeichne viel zu kindlich.“ Über ein Praktikum im Atelier Flora ist sie in die Kinderbuchwelt eingetaucht. Wenn sie nicht gerade zeichnet, arbeitet Kristina in der Kinderbuchhandlung „Buchsegler“ oder unterrichtet Zeichnen und Illustrieren an der Jugendkunstschule in Berlin-Pankow. Im Atelier Flora ist sie inzwischen festes Mitglied. „Momentan bin ich sehr in Kinderbücher verliebt.“

Irgendwann hatte sie einfach Lust, sich an einem Wimmelbuch auszuprobieren. So entstand im letzten Sommer Träumeland, das zugleich ihre Bachelorarbeit ist. „Mich faszinieren Wimmelbücher schon immer, weil die ohne Text funktionieren. Ich mag das, wenn man nur mit Bildern Geschichten erzählen kann.“

Das ist ihr gelungen. Auf fünf Bildtafeln bereist man Länder, die sich Kristina ausgedacht hat. Da gibt es ein Land voller Süßigkeiten, in dem alle Blumen Lollis sind, ein Badeparadies, ein Märchenland. „So sieht mein Kopf aus“, lacht sie. Sechzig Hauptpersonen hat sie geschaffen, die auf jeder Doppelseite auftreten. Die Nebenfiguren, die passend zu den einzelnen Phantasieländern aufzutreten, hat sie nicht gezählt. Da, wo etwa Tim Burtons Willy Wonka schwarzen Humor zeigt, bleibt Kristina hell und leuchtend, ist aber nicht weniger witzig und spart keineswegs an Schokolade.

Selten schafft es eine Abschlussarbeit, veröffentlicht zu werden. Kristina hatte die Unterstützung ihres Verlegers, der ihr Buchprojekt von Anfang an mochte. Ihre Lieblingsseite ist die letzte, die Höhlenwelt. „Die fand ich am schwierigsten. Ich habe sogar überlegt, ob ich die weglasse oder etwas anderes zeichne.“ Gut, dass sie geblieben ist. Sonst könnte Oma Hilde nicht mit dem Pferd durch den Tunnel rutschen, und der Maulwurf mit der Schubkarre hätte auch gar nichts zu tun.

Kristinas Träumeland ist ein wundervolles Geschenk für Kinder, die gerade sprechen lernen. Und für die Eltern und Geschwister, Onkel, Tanten, Großeltern und Freunde, die ihnen dabei helfen möchten.

Kristina Brasseler: Träumeland
Für Kinder von 2-6 Jahren
Wimmelbuchverlag 2013

Schneegestöber.

Mein Sommerarbeitsplatz ist verwaist. Der Apfelbaum hat endlich alle Blätter verloren, und im ersten Schnee steht die letzte Rose. Die empfindlichen Kräuter, Rosmarin und Lorbeer, tragen ihre Wintermäntel. Eins der Kinder hat übermütig seinen Schlitten heraus gekramt und schöne, parallele Spuren in die hauchzarte Schneedecke gezogen. Nicht das Schlechteste, was man an Nikolaus machen kann.