Ich dokumentiere mein Erstaunen.
Archiv des Autors: Steffi
Das bißchen Petersilie.
Niemand lügt so gut wie meine Mutter. Sie habe ein bißchen Petersilie im Garten, meinte sie. Ob ich welche mitnehmen möchte, wollte sie wissen. Ein Sträußchen Petersilie, dachte ich. Kräuterbutter. Jerne doch! Ich ging mit einer handelsüblichen Schere in den mütterlichen Garten. Das bißchen Petersilie stellte sich als eine zartblättrige Hecke heraus. Eine Sense wäre nicht unpraktisch gewesen. Mit einem Rasenmäher hätte ich´s gleich einfrierfertig zerkleinert. Das bißchen Salbei (5 Gläser Pesto, noch ohne Parmesan und Nüsse) erwähne ich ebenso wenig wie den Kürbis. Das war´n ganz kleiner, der hat in die Hosentasche gepasst. Wo mit Pferdemist gedüngt wird, wachsen die dollsten Sachen!
Praktisch im Vorbeigehen habe ich zwei Dinge gelernt: Keramikschilder sind witterungsbeständig. Dahlien müssen jetzt in den Keller. Und jetzt such´ ich mir ´n Töpferkurs.
Pflanzzeit!
Ich habe das Frühjahr beschimpft. Zur Strafe muss ich jetzt den Herbst loben. Was ich über den Herbst aus Mangel an Gelegenheit für dieses Wissen eben nicht wusste: Er ist die allerbeste Pflanzzeit. Zu kalt, hätte ich vermutet. Nee, schreibt mir meine Baumschule. Jetzt geht der Spaß erst richtig los! Ja, doch, die Pflanzen haben jetzt Ruhezeit. Das heißt, kein Stress mit Sich-Blätter-Wachsenlassen, Rumblühen oder Früchte tragen. Genau jetzt hätten sie Zeit und Muße, so richtig schön fest anzuwachsen. Ferien. Nichts Besseres zu tun. Einfach den Boden vorbereiten, schön lockern, vielleicht ein bißchen Komposterde rein mischen, vom kahlen Wurzelballen die geknickten Würzelchen entfernen und ab in die Erde mit dem Strunk. Angießen. Fertig! Als Schutz für den kleinen Setzling kann man ihn mit zusammengeharktem Laub einmummeln, schrieb die Baumschule.
Ich habe, weil es doch ein sehr überzeugendes und seltenes Obst ist, eine kleine Apfelquitte gekauft. Das täte jeder, der einmal so flaumige, aromatisch duftende Quitten für drei Euro fuffzich das Kilo in der Hand hielt. Die Nachbarn haben was von Quittenlikör gemurmelt. Wenn der nur halb so wohlschmeckend ist wie die Pflaumenschnapskostprobe, die mir neulich angetragen wurde, hat sich das Einpflanzen schon jetzt gelohnt. Etwa einen Meter ist mein Bäumchen hoch. Bis zu 50cm kann die Quitte pro Jahr an Höhe gewinnen. Mit der Herbstpflanzung hoffe ich ihr etwas Vorsprung verschafft zu haben. Ich freu mich auf die ersten Blüten!
- Himbeere „Aroma Queen“
- Apfelquitte
- Apfelquitte
- Rapunzel / Feldsalat
- Fenchel
- Rose
- Rose
- Rose
Winterspinat.
Ich will ja nicht angeben, aber der Spinat auf dem Balkon sieht ganz prächtig aus. Während der Gartenspinat zum letzten Imbiss der Schnecken wurde, denen ich im Übrigen alles Böse wünsche, ist der Balkonspinat aufgegangen, gewachsen und möchte offenbar geerntet werden.
Und wenn es nichts wird, bleibt uns immer noch der Riesling.
Ich kann mich nicht erinnern, wie und warum ich über das Rezept für Quittensenf gestolpert bin. Ich wusste bis eben gar nicht, was Quittensenf ist und wofür ich das brauchen könnte. Aber der Gedanke daran: Der roch so gut!
Nur sechs Zutaten sind nötig:
1 kg Quitten
500 g Zucker
1 Zitrone
100 ml Weißwein
100 g Senfkörner
1 Stück Ingwer
Ich las diese Liste drüben im Blog von Alina und konnte dabei schmecken, was das geben müsste. Ich lasse mich selten von dem Gedanken an Essen beunruhigen, aber der Quittensenf, kleine Liebelei, der wollte was von mir. Und wenn es nichts wird, dachte ich still, bleibt mir immer noch der Riesling. Es ist aber was geworden. Man kann es auf Käsewürfel streichen und den Riesling einfach dazu trinken. Is´n Träumchen! Fruchtig. Scharf. Überraschend. Danke, Alina! Quitten sind eines der besten Öbste überhaupt.
Ich habe eine Himbeere gepflückt!
Was daran so bemerkenswert ist? Heute ist der 30. Oktober. Ich dachte, da halten Himbeeren längst Winterschlaf! Die Aroma Queen aber nicht, die fängt jetzt erst richtig an. Die Früchte sind groß und saftig, ein bißchen säuerlich und schön aromatisch. Herbsthimbeeren sind echte Trostpflaster in einer Jahreszeit, zu der alles andere welkt und runterfällt.
Die Gärten anderer Leute.
Vor seinem Haus wächst ein Baum, den mein Freund Volker Bommelbaum nennt. Sind Bommeln dran, da hat er Recht. Es hat ihn, glaube ich, maßlos enttäuscht zu erfahren, dass das nur eine ganz normale Platane ist. Meine Mutter kultivierte eine Pflanzenart, die sie „Renterblume“ getauft hat, mit der besten aller Begründungen: „Weil alte Omas die in ihren Vorgärten haben.“ In Wahrheit handelte es sich um Mandelröschen. Was Volker der Bommelbaum und der Mutter die Rentnerblume, ist mir jede Art von Ziergesträuch. Häufig und gerne sehe ich mir die Gärten anderer Leute an und freue mich über alles Gebüsch das darin blüht und Früchte trägt. Ich glaube aber, es würde den Zauber empfindlich stören, wenn ich allzuviel darüber wüsste. Deshalb sagt mir bitte nie, wie der Busch mit den lila Murmeln dran heißt! Ich finde nämlich, „Lila Murmelbusch“ ist ein prima Name.
Foodporn
Liste der Dinge, die ich im Winter vermissen werden: Essen, Essen und Essen.
Maultaschen mit Mangold-Sauce, dazu Rucola, darüber gehobelter Parmesan und in Honig geröstete Walnüsse beispielsweise. Die werde ich ganz schrecklich vermissen.
Monster
Es möchte ein Kürbis-Monster, ließ das Kind verlauten. Es hat jetzt eins. Unser Eichhorn hat sich fürchterlich erschrocken.
Wintervorrat
Ich komme mir allmählich vor wie eins der Tiere, die hier im Hof wohnen. Wir legen uns was zurück, für schlechte Zeiten. Heute: Alles, was man aus Äpfeln machen kann. Apfelmus, Apfelsaft, Apfel-Quitten-Gelee.





































